Darkroom (1)

Wie jeden Freitagabend war die Bar gefüllt mit Schönen, Einsamen und Andersartigen. Der DJ mit schwarzer Hornbrille und den kurzgeschorenen Haaren wirkte wie ein Intellektueller, der eine Lesung hielt. Sein ernster Blick verriet, dass er konzentriert am Arbeiten war.

Als er sich zu ihr an den Tisch gesellte, prosteten sie sich zu. „Auf den Abend!“ Er fragte: „Weißt du, dass das Enigma nun doch einen Darkroom hat? “ Nein, wieso haben sie jetzt einen?“ antwortete sie. „ Na ja, die Nachfrage war gross. Du weißt doch, wir schwulen Männer mögen manchmal den schnellen anonymen Sex!“ erzählte er. Sie lachte. „Also den muss ich besuchen. Mal schauen was so passiert.“ meinte sie. „ Ach, da wirst du nicht viel sehen. Es ist zu dunkel. Das ist ja das Geile daran. Da wird rumgemacht, da will man einfach Sex oder Kuscheln. Ohne sich Gedanken zu machen, wie der andere aussieht oder ob man selber gut genug aussieht.“

Mir gefällt der Gedanke, dass man sich nicht sieht. Ist doch ganz schön prickelnd einen Fremden zu küssen.“erwiderte sie. „Ach Süsse!“ entgegnete er. „Da küsst man nicht nur.“ „Na ja, also ich fände küssen schon genug prickelnd, da muss es nicht unbedingt ficken sein“. meinte sie lachend.

Die Stimmung war inzwischen gelöst. Der zweite und dritte Prosecco wirkten. Sie lachte hell. Plötzlich stupste sie ihn. „He guck mal, die vier Jungs, die dort hinten! Gott sind die süss!“ Er schaute zum Stehtisch und sah die jungen Männer. Die Haare waren entweder modisch gestylt oder ganz kurz geschoren, so dass ihre männlichen Züge zur Geltung kamen. „Der mit der Baskenmütze hat einen geilen Arsch, schön knackig“ flüsterte er ihr zu. Sie betrachtete verstohlen den Hintern und nickte. „ Stell dir mal vor, mit der Zungenspitze über seinen Hintern zu fahren und zu spüren wie sich die Häärchen aufstellen.“ raunte sie ihm ins Ohr.“ Du wollüstiges Luder“, grinste er. Wäre sie ein Mann, hätter er sie schon lange gefickt, dachte er spontan.

Nach dem vierten Prosecco fuhren sie zum Club. Im Enigma, dem bekannten Schwulenclub in Zürich trafen sich nicht nur Männer. Vereinzelt sah man auch Frauen. Die Party lief schon im vollen Gange. Der Bass dröhnte und der DJ dirigierte die Tanzenden mit Rhythmus. Sie war schon ein bisschen angeheitert und bestellte sich einen Gin Tonic. „Der letzte“, murmelte sie in sein Ohr. Er lachte: „Wir sehen uns nachher, ich geh mal schauen wer alles da ist.“ Und verschwand in der Menschenmenge. Sie kicherte den Barkeeper an und er lächelte zurück. Den Gin Tonic nippend sah sie sich um.

Viele tanzten, andere standen am Rande der Tanzfläche und unterhielten sich angeregt. Es war ziemlich warm und die meisten Männer hatten ihr T-Shirt ausgezogen. Ihr Blick schweifte über die ganze Vielfalt der männlichen Welt, die sich hier zu treffen schien. Der Schwarze mit seinem durchgestählten Körperr, der nur aus Muskelsträngen zu bestehen schien. Der feingliedrige langhaarige Barde, der sich verträumt zum Rythmus wiegte. Der kleine nervöse Thai, der umherflatterte und Küsschen herum fliegen liess. Der grosse kurzgeschorene Mann, der seinen muskulösen Körper still hielt und nur mit dem Kopf den Bass nickte. Die Tunte, die geschäftig umherschwänzelte und die Hintern ihrer Mittänzer tätschelte. Das Besondere daran, dass fast alle mit nacktem Oberkörper tanzten. Sowas hatte sie in Hetero-Clubs noch nie gesehen! Wo konnte sie ungestört soviele Männer auf einem Haufen betrachten? Sie genoss den Anblick wie sie sich berührten, liebkosten und küssten. Manche Päärchen suchten sich einen Mann aus, um dann mit ihm zu tanzen und zu küssen. Der Auserwählte schmuste mal mit dem einen und dann mit dem anderen.

Ihr schwuler Freund schwänzelte herum, er hatte sich wohl etwas mehr genehmigt als nur einen Drink. Denn er wirkte zappelig und geschwätzig. Sie lächelte ihn an und wusste, dass er ab jetzt nur noch ab und zu vorbeikommen würde, um zu schauen, ob es ihr gut ginge. Dann küsste er sie auf die Stirne, oder umarmte sie.

Angeheizt durch die Stimmung und gelockert durch den Alkohol, traute sie sich in den Darkroom. Ein dicker Vorhang streifte ihr Gesicht beim Eintreten. Sie hörte das Wummern der Bässe und erkannte unscharf einige Körper engumschlungen auf einem Bett liegen. Sie beschloss noch ein bisschen weiter in den Raum zu gehen und sich der Dunkelheit zu überlassen. Dann hörte sie leises Stöhnen und das Knistern der mit plastiküberzogenen Sofas. Fortsetzung folgt……. by canela

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4 Gedanken zu “Darkroom (1)

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