Die Erotik eine Gummibaums – Teil 2

Sie hatte es geschafft. Er schrieb ihr zurück und erzählte ihr, er sei Texter für eine grosse Zürcher Werbeagentur. Sie fand es seltsam, dass Texten sein Beruf war, er aber so kurz angebunden und völlig humorlos zurückschrieb. Vielleicht war er ja berufsverbraucht, entschuldigte sie sein nettes aber charakterloses Mail. Welcher Koch will auch an seinen freien Tagen kochen?

Sie schrieb ihm zurück. Er entschied sich darauf, er wolle sie treffen, auch ohne ein Bild von ihr gesehen zu haben. Er meinte, das würde seine Regel verletzen, aber es gäbe Ausnahmen. Und wer so schreibe wie sie, sei eine Ausnahme. Das schmeichelte ihr. Seine Mails waren zwar immer noch ohne Saft. Aber wer so aussah, durfte auch mal schlapp beim Schreiben wirken. Sie schrieb, sie sei einverstanden und schlug ein Mittagessen vor. Er sagte zu.

Ziemlich aufgeregt fuhr sie nach Zürich. Wie eine echte Aargauerin, die keine Ahnung vom Zürcher-Stadtdschungel hatte, fuhr sie durch die Stadt und gelangte nach über 45 Minuten an den Helvetiaplatz, den sie normalerweise in einer Viertelstunde fand. Dort war ihr Treffpunkt. Das dieser Platz gross war, hatten beide vergessen und sie stand in einer Ecke und wusste nicht, ob das nun die richtige sei.

Mit flauem Gefühl im Magen und nervös stand sie nun da und wartete. Jeder grosse Mann wurde eingehend betrachtet. Doch keiner erwiderte ihren Blick. Bis sie in der Ferne ihn sah. Sie wusste es, das war er! Ganz in schwarz gekleidet, wie es sich für Kreative ziemt. Sie gab sich einen Ruck, atmete tief durch um ihre Nervosität zu kontrollieren. Mit selbstsicherem Gang und schwingenden Hüften ging sie auf ihn zu. Nur ja nichts anmerken lassen, dass man vor Schiss in die Hosen macht! Da er ihr mal in einem Mail erzählt hatte, er habe die Serien Raumschiff Enterprise geliebt, hob sie die Hand und grüsste ihn von weitem mit dem Vulkangruss.

Sie sah sein sichtlich erleichtertes Gesicht. Aber er konnte seine Nervosität nicht verbergen und seine Augen zuckten. Sie stand auf den Zehenspitzen, er bückte sich und sie gaben sich drei Küsschen auf die Wangen. Dann spazierten sie zum Italiener.

Was bestellen, um möglichst beim Essen nicht doof auszusehen ? Das dachten beide. Er bestellte Spaghetti, sie Penne und beides waren ein völliger Fehlentscheid. Er kriegt die Spaghetti nicht auf die Gabel und die Sauce spritzte. Und ihre Penne vielen immer kurz vor dem Mund zurück in den Teller. Als wären zwei Parkinsonkranke am Mittagstisch. Als er ihr mit zitternder Hand Feuer gab, pustete sie das Feuer aus, statt an der Zigarette zu ziehen. Sie lachten viel und unterhielten sich angeregt. Doch beide hatten wie Watte im Kopf und als sie sich verabschiedeten, wussten sie Sekunden später nicht mehr, was sie erzählt hatten.

Als sie im Büro ankam, flatterte schon ein Mail von ihm herein. Strike, dachte sie. Er schrieb:

Sch-Pfffff!

Ciao L

Den Klang, der hier als Betreff steht, kennst du bestimmt. Und wenn nicht, tja, dann bin ich doch ein wenig enttäuscht. Was das mit diesem Mail zu tun hat? Eigentlich nichts. Ich wusste bloss nicht, womit ich sonst hätte beginnen sollen, um nicht gleich pathetisch zu klingen.

Also wenn ich mir je ein gutes Date hätte wünschen können, hätte ich mir so eins wie mit Dir gewünscht. Obwohl es ein bisschen unausgeglichen war. Du warst witzig, unterhaltsam, redselig, hübsch und alles, was man an einem ersten Date sein sollte. Und ich war zum Errechen nervös. Na ja, ich bin wenigstens nicht unter den Tisch gefallen oder vor Begeisterung schreiend vor den nächsten Bus gerannt. Vielleicht genügt dir das, dass ich dich zum versprochenen Drink sobald wie möglich einlade.

I will call you (except you call me first)

Tschaule

A.

Sie schrieb zurück:

Auääää!

Hi A.

Du hast gut reden! Ich war obermeganervös und versuchte nur mit meinem schauspielerischen Talent, meine Nervosität zu überdecken. Was mir scheinbar gelungen ist! Dafür habe ich eine neue Begabung dank dir entdeckt: Ich bin die beste Zigaretten- und Feuerauspusterin der Welt. Das kann nicht jede!

Vorallem glaubte ich, ich sei schon in der Menopause. Meine Göttin habe ich geschwitzt! Ich wage es nicht mir auszumalen, wie ein mögliches zukünftiges transzendentales tiefes „Ein-oder Unter- oder Auf- und Ab-Treffen“ stattfinden könnte.

Meine Empfehlung für den Ernst- und Notfall: Nimm bitte Taucherbrille, Schnorchel und Flossen mit. Am Besten noch einen Eimer, falls ich vor lauter Transpiration schmelzen würde.

Du bist sogar hübscher real, als auf dem Foto. Und hast mich zum Lachen gebracht. Der Start ist gelungen und die Rakete fliegt ins All.

Ich freue mich auf unser gemeinsames Treffen. Wir könnten ja dann um die Häuser ziehen, an Haustüren klingeln, davonrennen und uns hinter den Müllcontainern verstecken. Und dann zählen, wie lange wir die Luft anhalten können, bis wir blau im Gesicht sind. Ist das was?

Also, A. auf bald.

Gott zum Gruss

L

à suivre

by canela

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6 Gedanken zu “Die Erotik eine Gummibaums – Teil 2

  1. Soo guet :-).
    Ich liebe es solche Storys zu lesen, frühmorgens mit einer Tasse Kaffee bewaffnet und die Lider noch auf halbmast: Mit einem Lächeln in den Tag gehen.

    öööööhhhmmm. Ich lasse mich überraschen, ob es zu Teil 3 kommt oder nicht.

  2. Schön und erheiternd 🙂 Schön auch, dass es ein zweites Treffen gibt. Ich verkneife mir allerdings Kommentare zu Singlebörsen-Geschichten, weil eine „ehemalige“ Online-Kontaktierungs-Erfahrung von mir hier (wahrscheinlich noch) mitliest 😉

  3. phil .. das thema hab ich auch schon durch.. sogar die nette drohung mails, screenshots aus dem msn etc auf eine homepage zu stellen. spätstens dann weiss man(n), dass es gut war sich zurückzuziehen 😉

  4. Pingback: Die Erotik eines Gummibaums - Teil 1 « el mundo de canela

  5. also ich weiss nicht genau, von was ihr spricht?! was habt ihr nur für erfahrungen gemacht?

    als ich vor jahren single war und mich auf plattformen herumtrieb, habe ich weder drohungen oder indiskretionen erlebt.

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