Die Arie des Schafs und der rosa Haarbürste

Wenn die Dämmerung die Stadt wie eine schliessende Muschel umfasst, legt sich die Woche freitagabends müde nieder. Heinz freut sich. „Endlich!“

Im Tram reibt er aufgeregt seine feuchten Hände. Er ist nervös. Immer wieder streicht er seine spärlichen Häärchen auf seiner Glatze glatt. Wenn er schwitzt, kräuseln sie sich und stehen ab. Wie er das hasst!

Bei der letzten Haltestelle ausgestiegen, marschiert er in die dunkle Gasse. Dann, zitternd vor Aufregung, steht er vor der schummrig beleuchteten Türe. Er schluckt mehrmals leer, atmet tief durch und drückt die Klingel. Der schrille Laut lässt ihn zusammenschrecken. Sein feuchter Finger hinterlässt einen glänzenden Abdruck auf dem Klingelknopf. Die Anspannung lässt seinen Magen tanzen. Er bläht sich auf und zieht sich zusammen. Und wieder streicht sich Heinz sorgfältig die auf die Seite gekämmten Haarsträhnen glatt.

Seine Augen liebkosen das Namensschild über der Klingel. „Lady Kosmaaaaaa“ haucht er. Ein wohliger Schauer kriecht seinen Rücken hinunter. Dicke Schweissperlen bilden sich auf seiner Stirne. Schnell wischt er sie mit dem Handrücken weg.

Dann, endlich! Er hört wie sich Schritte der Türe nähern. Klack, klack, klack! Heinz sieht sie schon genau vor seinen Augen: Ihre langen schwarzgefärbten Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebunden sind. Das Korsett mit grossen und dicken Ösen am Rücken, welches ihr fülliger Oberkörper im Zaum hält. Der lange faltige Hals, das furchige Decolletée und ihre schweren Brüste. Obwohl die Schwerkraft seit Jahren an ihrem Busen arbeitet, quillen er aus dem Korsett heraus. Ein Ledermini mit seitlichen Reisverschlüssen bedeckt ihren breiten Hintern. Ihre Füsse sind in schwarze, bis zu den Knien geschnürten Lederstiefeln eingepackt. Hohe dünne Stahlabsätze vollenden das Bild.

Heinz weiss genau, wie sich das Stiefelleder anfühlt, wie es riecht und schmeckt! Bei dem Gedanken schluckt er und das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Je näher ihre Schritte kommen, desto höher schlägt sein Puls. Er rast und galoppiert wild. Wieder atmet Heinze tief ein und wieder aus.

Endlich, die Türe öffnet sich! Sein Atmen stockt. Kalte blaue Augen mustern ihn von oben herab. Da steht sie nun. Mächtig, stolz und voller Verachtung für ihn. Gebannt starrt er sie an. Er schluckt wieder und senkt seinen Blick. Sein Schwanz wird steif, so dass sich sein Schritt wölbt. Sie grinst spöttisch.

„Komm herein, du Wurm!“ herrscht sie ihn an. Er nickt und flüstert: „Danke, vielen Dank für die Ehre, Lady Kosma.“

Beim Eintreten bleibt sie stehen, so dass er sich seitlich zwischen ihr und des Eingangs drängen muss. Ohne sie zu berühren, schlängelt er sich an ihr vorbei. Kurz saugt er ihren süsslichbitteren Schweiss ein. Dann schlurft er vor ihr. Sein Blick ist gesenkt und die Schultern hängen. Heinz spürt ihren Blick im Rücken wie ein kalter Dolch. Es fühlt sich herrlich an! Er liebt es, wenn sie ihn von hinten beobachtet.

„Los! Ins linke Zimmer mit dir, du Dreckssau!“ zischt sie ihm ins Ohr.

Gänsehaut überzieht seinen Nacken. Und wieder fährt ein Schauer durch seinen Körper. Sein Schwanz wird noch steifer. Er biegt schnell nach links ein, öffnet die Türe und eine schwüle Wärme steigt ihm entgegen.

Dieses Zimmer kennt er noch nicht. Die Fenster sind verdreckt und lassen nur spärlich Licht ins Zimmer ein. In der Mitte des Zimmers steht ein rundes rosafarbenes Bett und daneben eine rote Stehlampe. Der dunkelbraune, abgewetzte Teppich versinkt im Grau der kahlen Wände. Es riecht nach ihrem Körper und Schweiss. Heinz atmet tief ein. Es wird ihm fast schwindlig. Seine Nasenhäärchen vibrieren wohlig. Er schliesst kurz seine Augen und überlässt sich diesem Gefühl. Dann spürt er ihren festen Griff am linken Arm.

„Los du Wicht, zieh dein Fell an, aber schnell! Hier wird nicht geträumt!“ zischt sie. „Ja, Lady Kosma“ murmelt er

Er eilt zur Garderobe an der sein Kostüm hängt. Er öffnet rasch seinen Krawattenknoten und hängt die Kravatte sorgfältig an den Kleiderbügel. Mit flinken Fingern knöpft er Hemd und Hose auf. Als er aus seiner Unterhose schlüpft, wippt sein Schwanz erwartungsvoll. Spöttisch betrachtet ihn Lady Kosma.

„Was ist das für ein lächerliches, kleines Schwänzchen? Das soll eine Frau beeindrucken? Zieh sofort das Schafskostüm an. Ich will deinen dreckigen Zwergenschwanz nicht mehr sehen!“

Dabei setzt sie sich auf das Bett, kramt eine rosa Haarbürste unter der Decke hervor und beobachtet ihn weiter. Heinz nimmt das Schafskostüm von der Garderobe und schlüpft hinein. Ausser Kopf und Hintern ist er ganz in das weisslichgraue Schafsfell eingehüllt. Es ist dick und ein bisschen zottelig. Der Reissverschluss am Bauch des Kostüms kratzt. Langsam, auf allen vieren, kriecht er zu Lady Kosma. Er schaut sie erwartungsvoll an, senkt seinen Blick wieder und krabbelt zu ihren Füssen. Das Glöckchen am Hals des Kostüms klingelt hell. Heinz sieht nur noch ihre schwarzen spitzigen Lederstiefel.

„Leck sie!„

Geduckt mit breiter Zunge beginnt er ihre Stiefel zu rauf und runter zu lecken. Plötzlich, ein harter Schlag auf seinem Hintern. Sie schlägt mit dem Rücken der Haarbürste. Klatsch! Klatsch! Klatsch! Seine Pobacken röten sich. Es brennt, juckt und schmerzt. Heinz stöhnt und leckt genüsslich die Stiefel weiter, hinunater zu den Stahlabsätzen.

Plötzlich ruft Lady Kosma: „Komm Killer, komm!“ und pfeift kurz.

Ein kleiner, schwarzer Rehpinscher stürzt unter dem Bett hervor. Giftig kläffend tänzelt er nervös um Heinz herum. Sein Bellen wechselt sich mit den Klatschen ab. Heinz leckt fleissig ihre Stiefel weiter. Der Hund hüpft und rennt um Heinz herum und knurrt ihn an.

„Fass, Killer fass!“

Aufjaulend wie die Königin der Nacht fällt der Rehpinscher gierig den fellbedeckten Fuss von Heinz an. Er zerrt wie ein Besessener. Knurren und Kläffen wechseln sich ab. Dazwischen das laute Klatschen auf Heinzes Hintern gefolgt von leisem Stöhnen. Klatsch! Wuff! Klatsch! Wuff, wuff! Klatsch!

Heinz fühlt sich im siebten Himmel. Sein Po brennt und juckt höllisch. Doch bei jedem Schlag spürt er, wie sein Schwanz noch mehr anschwillt. Sein Herz rast und es kribbelt im ganzen Körper. Er keucht und schwitzt im dicken Schafskostüm. Er spürt wie Killer wild an seinem Fuss zerrt. Sein Kopf ist rot, heiss und mit Schweisstropfen übersät. Seine Haarsträhnen hängen schlaff und nass vom Kopf herunter. Die kleinen spitzen Zähne des Hundes zwicken durch das Fell. Jaaa, das ist genau so, wie er es liebt! Jeder Schlag erhöht seine Erregung, führt ihn näher an seine Erlösung. Er hat das Gefühl, als würde sein Schwanz bald mit seinem Kopf zusammen explodieren.

Lady Kosma beschimpft Heinz laut: „Du Laus, du Nichts, du mickriges Arschloch! Und sowas ist Vorgesetzter einer Firma? Du bist nur ein Fussabtreter! Los Killer! Beiss zu! Zeig diesem Schaf, wer der Herr ist!“feuert sie den Hund weiter an, der sich im Fuss festgebissen hat.

Auch Kosma schwitzt. Die Anstrengung lässt ihr Make up glänzen. Kleine Schweissperlenbäche fliessen ihre nackten Beine runter hinein in die Stiefel. Klatsch, klatsch, klatsch! Unermüdlich lässt sie die Haarbürste auf den Hintern herunterknallen. Heinz stöhnt und keucht und leckt. Killer bellt und knurrt und kläfft.

Dann! Sein Schwanz explodiert. Sein Kopf scheint sich für einen kurzen Moment auszuschalten. Schweben, Leere. Heinz brüllt auf und Killer bellt im höchsten Tenor. Die Arie des Schafes und der rosa Bürste.

Heinz liebt diese Nächte. Er fühlt sich frei und leicht. Beschwingt steigt er ins Tram. Er steht, sitzen kann er nicht. Mit einer tiefen Ruhe, streicht er seine Haarsträhnen sorgfältig an seine Glatze. Bald ist wieder Freitag…. doch jetzt beginnt erstmal das Wochenende.

by canela

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5 Gedanken zu “Die Arie des Schafs und der rosa Haarbürste

  1. Hi Canela..

    interessante Phantasien hast Du da 🙂 Hoffentlich hast Du keine Schaffellallergie (faszinierendes Wort – irgendwie).
    Ich frage mich gerade, was Dich zu dieser netten Story animiert hat: Ein Schaf auf der Wiese (zu dieser Jahreszeit momentan ungewöhnlich), Ein Beglatzter Trampassagier der vor Dir gesessen ist (könnte sein), Hohe Lederstiefel in der Auslage in der Bahnhofstrasse beim Weihnachtseinkauf (sehr wahrscheinlich), das morgentliche Haare striegeln vor dem Spiegel mit einer rosa Bürste (hmmm.. ), ein streunender Rehpintscher der beim Spazierengehen urplötzlich an Deiner Jeans hing (zu kalt zum beissen) oder die kupferne Klingel an der Nachbarhaustür mit der Beschriftung „Kosima“?
    Was war es nun genau – die Inspiration?

    Gruss
    PeterPan

  2. ich habe eher das problem, dass ich wie ein zottel ausschaue. also keine glatze. ex-chef? was hast du denn mit deinem ex-chef so alles getrieben gemacht???

  3. @ phili-zottel: mein ex-chef war ein kleiner widerlicher arsch! und er stank bestialisch. den hätte ich nicht mal mit dem schutzanzug angefasst. es genügte schon, dass ich meine gasmaske aufsetzen musste, wenn er in meiner nähe war.

    @peterpan: meine inspiration waren heftige auseinandersetzungen mit meinem ex-chef. manchmal brachte er mich so in rage, dass ich ihm am liebsten eine geschmiert hätte. aaaaaber, da man sowas nicht darf, liess ich ihn in meiner fantasie ganz devot von einer domina den arsch versohlen. also war meine inspiration niederer instinkt, nämlich rache 🙂

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