2x Ja

ähm ich bin ausländerin (also hab nix zu sagen ;-) ). aber eine von den “guten”: hier geboren, assimiliert, arbeite und zahle steuern, spreche ohne secondo-akzent wenn ich schwyzerdütsch schnöre. so sind doch die guten? oder habe ich etwas vergessen?

aber ich machte mir auch kurz gedanken zu dem resultat. ok, es geht mich ja nichts an, ich weiss. aber seltsam ist, dass 48,irgendwas prozent “das volk” sein soll.

der typ mit der fliege im tv, der bei allen abstimmungen irgendetwas verzapft, meinte, dass die 48,irgendetwas prozent, informierte stimmbürger seien. keine ahnung, ob das stimmt.

denn wenn das die informierten sein sollen, wieso haben die svpler mit ihren “schwarz/weiss”-aussagen erfolg? kann man wenn man informiert ist, nicht auch differenziert denken? oder ist das nur eine illusion von mir?

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7 Gedanken zu “2x Ja

  1. das resultat geht dich bestimmt etwas an. du lebst ja hier! also setze dich damit auseinander!
    das volk, also die stimmberechtigten, liebe canela, sagt immer zu 100 prozent seine meinung. 48kommairgendwas prozent an der urne, 51kommawasweissich indem es nicht stimmen oder wählen geht. diese damen und herren sagen nämlich folgendes:
    – ich verzichte darauf, ein mir zustehendes RECHT auszuüben
    – ist mir scheissegal, ob und was angenommen wird oder nicht
    – ich bin mit dem einverstanden, was die andern 48pro bestimmen
    – die gesellschaft interessiert mich einen feuchten scheiss, hauptsache ich habe wein und brot, kindergeld und ahv
    ich persönlich empfinde diese einstellung als absolut widerlich, vor allem, wenn mann/frau noch laut und gestenreich darüber jammert, wie die armen negerli, tabakpflanzer, bananenbieger, kaffeekocher, koksdealer, korumpierten regierungen, asylantenschieber, muselmanischen hetzprediger, hilfsterroristen, diebe, mörder, kinderschänder, vergewaltiger und ferngesteuerten krawallmachern von unseren behörden, politikern, firmen, banken, versicherungen, sozialwerken, hilfswerken und dem gemeinen volch geplagt, ausgebeutet, hintergangen, vergiftet und um die ecke gebracht werden. irgendwas stimmt doch an dieser aussage nicht, liebe canela.
    deinem 2xja entnehme ich, dass du nicht im kleinbasel und nicht in emmen wohnst und auch nicht da, wo ein grosser anteil nicht privilegierter ausländer wohnt. canelito geht noch nicht in die schule, wo 90% seiner kamerädli serbisch, albanisch, türkisch, kroatisch, tamilisch, anatolisch und arabisch reden. kurze zwischenfragen: konntest du deine schulzeit absolvieren, ohne dass du erst mal deutsch lernen musstest? glaubst du, dass in der spanischen grundschule serbisch, albanisch, türkisch, kroatisch, tamilisch, anatolisch, arabisch und deutsch gesprochen werden darf?
    die svpler haben mit ihren aussagen erfolg, weil sie die wahrheit nicht unterdrücken wie die linken und die grünen. weil es stimmt, wenn sie sagen, dass 80prozent der knackis ausländer sind, weil es stimmt, wenn sie sagen dass der ausländeranteil an den verbechen, dem drogengeschäft, dem sozialbetrug drei- oder viermal so hoch ist, wie der von schweizern. weil in den bürgerlichen zeitungen nachgelesen werden kann, aus welchen staaten die rüpel sind, welche den alten mann zusammengeschlagen und ausgeraubt haben und weil es die leute leid sind, gute mine zum bösen spiel zu machen. deshalb!
    du bist eine von den „guten“ ausländerinnen sagst du. ich will keine „guten“ ausländerinnen haben. ich will, dass du dir deiner gesellschaftspolitischen und staatspolitischen verantwortung gerecht wirst und für dich, canelo und vor allem für canelito aktiv an der gestaltung dieses staatswesens mitarbeitest. du wirst dich also entscheiden müssen, ob du die „gute“ ausländerin bleibst oder die aktive schweizerin wirst. du hast in keinem land der welt, nicht einmal in deiner heimat, die möglichkeit, soviel mitzubestimmen. vom steuerfuss bis zum regierungsrat, du bestimmst mit, dusagt ja oder nein. die zukunft von canelito sollte es dir wert sein, dich zu engagieren. du denkst und kannst daraus schlüsse ziehen und entscheidungen fällen. du wirst (wenn du es wirst) eine „gute“ schweizerin. und glaube mir, es ist mir völlig egal in welche richtung dein politischer glaube zieht, wichtig ist, dass du für deine überzeugungen einstehst und zu den 48kommairgendwas prozent gehörst.

    Zores

    PS: ja ich mag dich auch, can can, und der mohn ist absolut passend.

  2. als erstes und ps schon im voraus: himmelherrgotnochmal oder erdenfraugöttinimmerwieder! boah zores, ich bin erschlagen. en uheurelänge kommentar, shit. das heisst ich muss arbeiten 😉 und ps: schön, dass du dir soviel zeit genommen hast mir zu schreiben. und seufzhach, dass dir mohn gefällt… ist meine lieblingsblume.
    nun zur arbeit also ich habe mir deine statements herausgepickt, bei denen ich was dazu sagen kann.
    zores:
    „das resultat geht dich bestimmt etwas an. du lebst ja hier! also setze dich damit auseinander!“
    canela:
    klar geht mich das was an. da ich direkt oder indirekt immer mit dem „volksentscheid“ konfrontiert werde. ich wollte nur unpolitisch oder politisch korrekt sein. oder ganz klar sagen: ich bin nicht rechts in meinem gedankengut.
    zores:
    kurze zwischenfragen: konntest du deine schulzeit absolvieren, ohne dass du erst mal deutsch lernen musstest? glaubst du, dass in der spanischen grundschule serbisch, albanisch, türkisch, kroatisch, tamilisch, anatolisch, arabisch und deutsch gesprochen werden darf?
    canela:
    meine muttersprache ist deutsch. die erste sprache in der ich reden und denken konnte war deutsch. meine eltern arbeiteten und ich war in der obhut einer „mutti“. ich musste hochdeutsch lernen wie alle anderen kids, weil wir ja mundart sprachen.
    und nein, ich lebe nicht dort, wo es viele ausländer gibt. ich gehöre zu den privilegierten, die sich ihren wohnort aussuchen können. ein erarbeitetes privileg wohlgemerkt!
    und ich habe keine ahnung was sie in spanien in der grundschule sprechen. aber all diese sprachen nicht. vielleicht sprechen sie aber angolanisch oder arabisch. weil die südamerikaner können ja schon spanisch. und bald wird es wohl auch russisch sein.
    zores:
    die svpler haben mit ihren aussagen erfolg, weil sie die wahrheit nicht unterdrücken wie die linken und die grünen. weil es stimmt, wenn sie sagen, dass 80prozent der knackis ausländer sind, weil es stimmt, wenn sie sagen dass der ausländeranteil an den verbechen, dem drogengeschäft, dem sozialbetrug drei- oder viermal so hoch ist, wie der von schweizern. weil in den bürgerlichen zeitungen nachgelesen werden kann, aus welchen staaten die rüpel sind, welche den alten mann zusammengeschlagen und ausgeraubt haben und weil es die leute leid sind, gute mine zum bösen spiel zu machen. deshalb!
    canela:
    ich habe solche dinge schon gelesen als es die bösen tschinggen und spaniögl und griechen waren.
    heute spricht kein schwein mehr über diesen ausländeranteil. weil sie gar nicht mehr als ausländer wahrgenommen werden. der unterschied ist wohl, dass die „neuen“ ausländer kulturell zu andersartig sind, als die „alten“. wobei ich als kleines mädchen auch schon hörte, dass die italiener schnell das messer zücken und den schweizern, die frauen wegnehmen (als ob man überhaupt jemandem jemandem wegnehmen kann). all diese leute haben sich integriert. und waren doch so anders als die schweizer. aber die integration fand statt, weil beide seiten wollten.
    zores:
    die zukunft von canelito sollte es dir wert sein, dich zu engagieren. du denkst und kannst daraus schlüsse ziehen und entscheidungen fällen. du wirst (wenn du es wirst) eine “gute” schweizerin. und glaube mir, es ist mir völlig egal in welche richtung dein politischer glaube zieht, wichtig ist, dass du für deine überzeugungen einstehst und zu den 48kommairgendwas prozent gehörst.
    canela:
    stell dir vor. ich habe tatsächlich gedacht mich mal einbürgern zu lassen. weil ich für canelito ein gutes land zum leben möchte. übrigens: canelito ist zwar als spanier geboren worden, ist aber seit über einem jahr schweizer. so schnell geht das und schon ist wieder ein ausländer weg ;-).
    à propos: meine heimat ist hier. nicht dort.
    danke, dass du mich zum denken und zum positionbeziehen gezwungen hast 🙂 und prost, ich trinke gerade einen feinen rioja, lan heisst er. und wieder noch was: du warst mal in der politik, gäll?

  3. ja ja, weisst du, es ist etwas spezielles,die geschichte mit den spanijoggels, den helenen und den tschinggen. mir gefiel dannzumal der ausdruck „maiser“ wesentlich besser als tschinggen, obwohl ich nicht wusste, auch heute noch nicht weiss, kommt der davon, weil die guten leutchen das mais assen, das wir bestenfalls den hühnern futterten oder weil sie halt einzeln und in gruppen etwas mehr „mais“ veranstalteten als die gleiche anzahl schweizer es je wird hinbringen können. tant pis, james schwarzenbach, der gute, wollte die ausländische bevölkerung auf 8% limitieren und brachte eine initiative ein. ich selbst hatte damals schon als junger spund, viel kontakt (beruflich) zu den fremdarbeitern, wie sie genannt wurden. es war für mich und meine kollegen undenkbar, so einer diskriminierung zuzustimmen. wir haben uns engagiert und schlussendlich, wie man weiss, die abstimmung doch deutlich bachab geschickt. im gleichen jahr, 1970, haben wir männer dem frauenstimmrecht zugestimmt (war bei uns jungen männern nie bestritten und längst überfällig). du bemerkst es, ich durfte damals schon stimmen und habe seit meiner volljährigkeit nie, nie absichtlich eine abstimmung oder eine wahl versäumt. bei den 8% damals wurden übrigens jede krankenschwester und jeder diplomatenchauffeur mitgezählt. das ist bei den 22% die wir heute haben (die schwarzen nicht mitgerechnet) nicht mehr so. die maiser haben jetzt, also 2006 gegen 8% fremde in italia und sie fühlen sich heute so total überfremdet, dass es dort echt zum problem wird. soviel zum vergleich der toleranten völker innerhalb und ausserhalb der EU.

    jetzt ist es zeit für ein „danggschöön“ für deine offene und standfeste antwort. gestattest du, dass ich dir zwei, drei sehr politische sachen ans herz lege? ich versuche, dabei weder altväterlich noch herablassend zu sein, obwohl ich etwas dazu neige *grins*

    ich empfinde mich als politischen menschen und habe auch etwa zehn jahre aktiv mitgemischt. nicht bei den roten, nicht bei den grünen, nicht bei den schwarzen und bei allen andern farben auch nicht. ich leiste(te) mir den luxus selbst zu denken und meine entscheide aufgrund der erkenntnis meiner bescheidenen grauen masse selbst zu fällen. das kam, muss man leider sagen, selten gut an. nicht bei den roten, nicht bei den grünen, nicht bei den schwarzen und bei allen anderen farben auch nicht. also habe ich es aufgegeben, mich gegen bestechungen und korumpierungsversuche zu wehren und bin aus der politik ausgestiegen. das als vorgeschichte zu den ratschlägen, die da sind:

    – misch dich ein, sage deine meinung, auch wenn diese unbequem ist, für die andern und für dich!
    – vergiss jegliche political correctness. nenn einen schwarzen einen neger und nicht farbigen, dukelhäutigen, afroamerikaner und einen juden einen juden und nicht einen andersgläubigen, einen israeli. das gilt für alle anderen minderheiten und minderpriveligierten ebenso. sie werden dir dankbar sein, dass du dich nicht bei den heuchlern einordnest.
    – bleibe einfach ehrlich zu dir selbst und zu deinem umfeld, belüge einfach niemanden, am wenigsten dich selbst.
    – integration ist keine einbahnstrasse. immigranten haben insbesondere unsere gesetze, unsere kultur und die spielregeln unserer offene, kritikfähigen gesellschaft, die wir geschaffen haben und die wir weiterhin so wollen, zu akzeptieren. tun sie das nicht, haben sie hier kein verständnis für ihre eigene kultur die gesellschaft zu erwarten, aus denen sie hierhergeflüchtet sind.

    Ich bin schon zu lang geworden, darum ziehe ich mich zu einem schlummerbecherchen zurück. cu can can.

    Zores

    PS: irgendwie bin ich ein kleines bisschen stolz, dass deine heimat hier ist und nicht dort *smile*

  4. maiser? kenne ich gar nicht diesen ausdruck. aber das kann schon an der polenta liegen auch „maismache“ klingt einleuchtend 😉

    und ich erinnere mich noch an den alten schwarzenbach. meine eltern fieberten den resultaten entgegen. also sooo jung bin ich nicht. mag sein, dass ich mit meiner „erfrischenden“ art so wirke (eigenlob riecht besonders…*schnüffel)aber ich war fünf als frauen in der schweiz stimmen durften.

    und klar ist die schweiz meine heimat. ich bin hier geboren und aufgewachsen. ich kenne doch gar nichts anderes. spanien kenne ich nur aus dem urlaub und als das heimatland meiner eltern.

    nun zu deinen ratschlägen: ich tue alles was du sagst im berufsleben (hat mich auch schon fristlose gekostet, weil ich mich gegen ungerechtigkeiten gegenüber arbeitskollegen/innen einsetzte) und privat. aber politisch bin ich nicht engagiert. ich bin abends zu müde, um mich intensiv mit politischen themen auseinander zu setzen. und möchte die kurze zeit, die ich mit meinem sohn verbringen kann, geniessen. das heisst zwar nicht, dass ich die politischen geschehnisse nicht verfolge, aber ich setze prioritäten.

  5. noch was zu mir: ich bin spezialistin des fremdseins und der anpassung wie wohl viele secondos aus meiner generation. für die jüngeren kann ich nicht sprechen.
    wir mussten lernen, flexibel zu sein, verschiedene kulturen in uns zu integrieren und aufpassen, sich nicht selber zu verlieren. manchmal eine gratwanderung und das schaffen einer eigenen identität, weil man ja weder fisch noch vogel war.
    falls ich mich doch irgendwann für den schweizerpass entscheide, dann werde ich schweizerin sein mit spanischen wurzeln (also ein „fischvögelchen“). vuala!

  6. ja du wirkst erfrischend in deinen Artikeln und kommentaren. wohl auch, weil du immer etwas selbstronie beimischt und weil man(n) spürt, dass du glaubst und lebst was du schreibst.
    selbstverständlich wollte ich dich nicht zur politikerin bekehren. ich wollte dir nur sagen, dass alles politik ist, was in irgendeiner form gesellschaftlich relevant ist. weil alle entscheide in dieser richtung in zukunft mich, meine familie und mein land tangieren werden, deshalb will ich mitreden und mitbestimmen.
    lass mich wissen, wenn du ein fischvögelchen wirst, als alter patriot freue ich mich über neuzugänge. die stärke unseres landes ist die vielschichtigkeit gepaart mit toleranz.
    Zores

  7. Pingback: DER DISSIDENT » Blog Archive » Programmschau

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