Als Dionysos und Aphrodite sich paarten, wurde Priapos geboren. Er hatte ein überwältigendes und aussergewöhnliches Erbe zu tragen. Kein Wunder, bei solchen Eltern.
Er besass einen Riesenschwanz. Dieser Fakt hätte wohl manche Männer auf dieser Welt gefreut. Nicht so Priapos. Er fand es nicht so toll. Obwohl von vielen Männern und Frauen bewundert und angebetet, störte ihn das Ding. Die griechischen Normalsterblichen fanden ihn sogar kultig und dieses Aufheben um sein Glied wurde ihm lästig. Dieser Verehrung müde, zog er in die weite Welt hinaus und landete bei den Römern.
Aber die Römer fanden ihn auch so cool und machten Prozessionen für ihn mit einer riesigen Pimmel-Statue. Aber Priapos wollte mehr, als nur Lateiner um sich haben, die sein Ding regelmässig an die frische Luft führten. Er wollte mehr, als Frauen und Männer, die sich von ihm Dinge erhofften, die er nicht gewillt war zu geben.
Er wollte unter Uhren und Wecker, zwischen Rauch und Alkohol, mitten in Leid und Freude leben. Und … er wollte in einem Raum niederlassen, in dem es eine Jukebox gab. So beschloss er nach Zürich an die Langstrasse auszuwandern und fand die Olé-Olé Bar, sein neues Daheim.
In einer Nische, auf einem Altar liess er sich nieder und genoss die Anonymität.
Eines Tages kam ein dicker, lachender Mann und fragte ihn: „Hast du Platz für mich? Alle beten mich an, alle hoffen erleuchtet zu werden und ich bin es müde, immer Erwartungen zu erfüllen. Ich will einfach eine Ecke und meine Ruhe haben!“ Priapos erwiderte: „Du auch? So verfolgt vom Erwartungsdruck? Na dann komm! Hier hat es Platz genug.“ Und so zog Buddha ein.
Ein paar Spinnen kamen und alte Fotos schlichen sich vergilbt heran und liessen sich nieder. Als dann zogen Geldscheine ein, die irgendwer verloren hatte und die aus der Mode gekommen waren. Ihre Währung war ein Relikt aus alter Zeit.
Sie alle beobachteten die Frau und den Mann, welche die Bar spät nachts betraten. Sie liessen sich genau gegenüber dem Altar nieder. Frau wie Mann fühlten sich wohl unter all den Gesellen des Altars. Sie lachte viel und der Mann berührte sanft ihren Arm. Seine grünen Augen leuchteten, wenn er den Blick in ihre dunklen Augen versinken liess.
Priapos beobachtete sie und raunte den anderen zu: „Lasst uns diese zwei Menschen beglücken, mit all dem, was alle verlangten und wir nicht gewillt waren zu geben.“
Als die Frau sich eine Zigarette anzündete, knisterte sie und beide, Frau und Mann, fühlten einen leichten Luftstoss. Priapos und seine Gesellen hatte sie beschenkt. Das Paar schaute sich erstaunt an und lächelten. Die Jukebox trällerte Golden Brown die Frau schloss ihre Augen und berührte den Arm des Mannes.
Beide hatten nicht die leiseste Ahnung, welch Glück sie erfahren würden.
by canela
Das ist gefühlter Kommunismus. Das kenn ich.
Einfühlend geschrieben und ich hoffe es kommt gut.
Von: diekreide am 9. Oktober 2009
um 5:53
…und wenn sie nicht gestorben sind…:-P…nein. helden sterben nie. und verliebte leben eh ewig.
la canela im paradies der götter.
himmlisch !
Von: Mme Lila am 9. Oktober 2009
um 8:48
überirdisch genial erzählt!
go on!
Von: Sofasophia am 9. Oktober 2009
um 9:58
Treffen wir uns in der Olé-Olé Bar, wenn ich Dich in der Schwyz besuche?
(Ohne meinen neuen Dress anzuziehen…)
Von: Phil am 9. Oktober 2009
um 11:03
so, und jetzt weiss ich endlich auch, wo das grün herkommt…
Von: falki am 9. Oktober 2009
um 1:44
Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, wer von den Zweien hat das „Ding“ von Priapos bekommen und wer wurde von Buddha erleuchtet?
Schön die Schmetterlinge im Bauch, gäll?
Von: Bricciola am 9. Oktober 2009
um 6:53
Golden Brown! Du hast wie immer Talent mich an meine Vergänglichkeit zu erinnern
Von: leonope am 9. Oktober 2009
um 8:36
@diekreide: wir sind uns aber einig: gefühlter ist viel schöner als gelbter kommunismus, oder?
@mme lila: und das nur wegen der richtigen position vor dem altar.
@sofasophia: glück kann inspirieren, nicht?
@phil: die olé-olé bar ist in zürich nicht in basel. und dein hemd kannst du ruhig anziehen. ich UND mein grünauge sind immun
@falki: gell das ist wie rätselraten in der glückspost
jede woche gibt es eine neue auflösung.
@bricciola: they butterflies are fucking big, kind of pink elephants!
@leonope: das stück lief tatsächlich und ich mag es. du weisst ja, musikalisch haben wir es oft auf der selben bühne.
Von: canela am 10. Oktober 2009
um 12:15
I agree! Du hast absolut recht. Ich mag den Song auch. Passt gut zu einem schönen Barbaresco
Von: leonope am 10. Oktober 2009
um 9:51
Der leichte Luftstoss wehte bis zu mir hinüber und berührte auch mich sanft! So schön geschrieben, liebe canela!
Von: Stoeps am 14. Oktober 2009
um 1:09
@Stoeps: willkomen hier! und danke für das kompliment! ich will auch in das pinkige gummidings
Von: canela am 14. Oktober 2009
um 3:30
Danke für das Willkomen!
Na dann hüpf rein! Bring aber bitte zwei Cervesas mit!
Von: stoeps am 14. Oktober 2009
um 3:34
@Stoeps: nur zwei?
also in meinem kühlschrank stehen: super bock, san miguel und brauhaus. wähl aus!
Von: canela am 14. Oktober 2009
um 5:52