Manchmal findet das Leben eine Art Belohnung für Seelen, die meinen alles verloren zu haben, was man verlieren kann. So dachte es zumindest Meine, aber sie hat sich getäuscht. Denn es gibt sie, diese berühmte Gerechtigkeit. Und sei es nur in der Form einer Broccolisuppe.
Man kann nicht alles haben. Das stimmt, doch mit zuwenig sollte man sich auch nicht begnügen. In meinem Fall wäre das, dem Piloten zu zuhören, wie er seine Freundin in andere Sphären treibt. Ich glaube, der macht das gar nicht so schlecht. Weil ich höre sie öfter als ihn. Aber er scheint auch ganz gesund zu sein. Wer seine Orgasmen nicht der Welt kundtut, verbirgt etwas.
Ich würde lügen, wenn ich nicht ein bisschen eifersüchtig wäre auf ihr lautes Liebesspiel. Denn eine gesunde Libido ist nicht jedem gegeben. Meine ist sogar ziemlich sportlich, glaube ich zumindest. Und sie fühlte sich oft, wie ein Windhund, der nicht dem Hasen nach rennen durfte. Wenn er zu lange an der Leine zerrt, ist er gefrustet und ermüdet. Da hilft duschen auch nicht. Obwohl die Dusche eine Freundin sein kann.
Broccolisuppe, aber, hilft! Denn Broccoli hat viel Vitamin C und wir wissen alle, dass Vitamin C gesund ist. Da ich in einer Loft lebe, riecht es auch im Teil des Wohnzimmer nach Broccoli. Und wie wir alle wissen, ist meine Wohnzimmerwand, die Schlafzimmerwand des Piloten.
Da koche ich also nichts ahnend das Süppchen, dass mir viele Vitamine bescheren soll, damit ich kräftig genug bin, mich von der Leine lösen zu können, und es klingelt. Mit wehenden Haaren öffne ich die Türe und ein ziemlich starker Geruch empfängt das hübsche Näschen des Piloten. Er quittiert den Gestank mit einem Naserümpfen und mich mit einem hübschen Lächeln. Er sieht gut aus, mein Nachbar, kein Zweifel!
Hallo Canela, kochst du gerade? fragt er. Ja, ich koche gerade, antworte ich. Ist es Blumenkohl oder Broccoli? will er weiter wissen. Es ist ein delikates Broccolisüppchen! sage ich. Seine Mundwinkel hängen plötzlich und er quetscht ein: Es stinkt bei uns im Schlafzimmer! heraus. Ich schenke ihm mein strahlendstes Lächeln und mit hoher Nachtigallstimme antworte ich: Ohhhhhh, DAS tut mir aber leid. Im Schlafzimmmer??? Oh das muss ja nicht gerade inspirierend sein. Er spürt mein Mitgefühlt nicht, denn ich strahle auch keines aus. Ich höre dich manchmal, erzähle ich weiter. Wieso solltest du mich nicht riechen? Er antworte: Dass du mich hörst stört mich nicht, aber dass wir dich riechen stört uns! Aha, aha, denke ich mir.
Ich werde wohl eine neue Wand aufziehen lassen, seufzte der Pilot. Und ich nickte. Tu das! bestärkte ich ihn. Und nochmals flötete ich ein unechtes: Es tut mir leid! Er lächelt und sagt: Das regle ich.
So habe ich Geld gespart und muss nicht mehr neidisch sein. Es gibt sie, diese Gerechtigkeit. Immer dann, wenn man sie am Wenigsten erwartet.
by canela
Eine tolle Geschichte, noch toller geschrieben!
Von: acqua am 9. Februar 2009
um 8:22
Bewundernswerte Offenheit.
Von: Tobias am 9. Februar 2009
um 9:11
Ich liebe deine Geschichten und solltest du einmal ein Buch schreiben, kaufe ich es.
Von: Susa am 9. Februar 2009
um 11:16
aha – broccoli also…
Von: falki am 10. Februar 2009
um 8:15
aus was sind den die Wände bei euch? Zellstoff??
Aber ich kann ihn verstehen, Broccoli möchte ich nun wirklich auch nicht dabei riechen
Von: andi am 10. Februar 2009
um 8:33
[...] 2008 · Keine Kommentare -Es gibt sie, die ausgleichende Gerechtigkeit. Schreibt sie und meint es auch so. Vielleicht sollte ich sie um ihr Rezept für die Broccolisuppe beten, denn [...]
Von: Es gibt keine Gerechtigkeit « Madame Lila am 10. Februar 2009
um 2:19
seltsam, er fragt nicht ob es dich stört, daß du ihn hörst ?
aber warum soll ein stilles liebspsiel nicht auch schön sein ? muß man(n) denn immer laut sein ? oder will frau es immer so ? vieleicht ist man(n) ja auch lieber ein stiller genießer ?
Von: gokui am 10. Februar 2009
um 9:15
@acqua: broccoli forever!


@Tobias: fakten sind fakten….
@Susa: ok, notiert.
@falki: ich komme ans fondue-treffen mit broccoli-parfum
@andi: das habe ich unseren architekten auch gefragt. ich habe ihn nicht verstanden.
@gokui: zu stille geniesser sind mir persönlich suspekt. ein bisschen seufzen darf man(n). aber das ist natürlich reine geschmacksfrage, bezw. hörfrage, oder so…
Von: canela am 11. Februar 2009
um 3:06
@canela: gute idee – da musst du aber dann schon recht davon einreiben, bei all dem käsegeruch wird das ein schwieriges unterfangen…
Von: falki am 11. Februar 2009
um 3:08
ich habe auch schon einige erlebt was mir suspekt war, stille aber nicht. zumindest nicht die sprachliche „stille“. aber reden, quasseln, oder geräusche machen können sie alle – und nicht nur dabei – ihre sinne gebrauchen weniger.
eine liebste ( liebsten für die weiblichkeiten unter den usern ) zu riechen halte ich zb. für weitaus besser.
Von: gokui am 11. Februar 2009
um 4:32
[...] ist schwer auszuhalten und Gerechtigkeit manchmal schwer einzuklagen. Gebloggt wird hier und hier und hier über die Gerechtigkeit. « Tipps fürs [...]
Von: Sammelmappe » Gerechtigkeitsbloggen am 11. Februar 2009
um 6:13
[...] jemand wegen mir Monate lang gelitten hätte. Denn als ich in den Lift stieg, stiess der Pilot hinzu. Er sah gut aus, er war beim Frisör gewesen. Und mit meinen fröhlichsten Lächeln begrüsste [...]
Von: The empire strikes back oder der Pilot regelt das sofort! « el mundo de canela am 16. Februar 2009
um 9:58
[...] habe ich keinen Broccoli, den ich kochen könnte. Noch habe ich jemanden hier, der sein Stöhnen übertrumpfen könnte. Ich [...]
Von: Diese Hitze spornt den Pilot an « el mundo de canela am 25. Mai 2009
um 5:40