Etwas, was ich an Europa nicht mag ist, dass nun viele Produkte oder Labels in den meisten europäischen Ländern erhältlich sind. Wir essen nicht nur bald alle das Gleiche sondern wir kleiden uns und wohnen auch alle gleich.
Was war ich früher cool – so im Jahre 1985 – als ich mit einem kleinen Geldbeutel ein T-Shirt oder ein Kleid von Mango kaufte und niemand hatte solche Klamotten in der Schweiz. Heute findet man Mango überall. Zara liess sich etwas Zeit, aber auch sie kamen in die Schweiz und so war mein Bonus – was anderes zu haben, als alle anderen – auch flöten gegangen.
Letze Woch im Bus von El Palo, einer der Vororte der Stadt Malaga, nach Malaga-Zentrum sah ich einen alten Mann mit einer IKEA-Tasche. Ich war geschockt. Früher protzte man mit einer Plastiktragtasche von El Corte Ingles. Dort einzukaufen, zeugte von Geschmack und Geld. Auch wenn man nur ein T-Shirt für 500 Peseten im Ausverkauft ergattert hatte. Das wichtigste war: Man bekam eine El Corte Ingles-Tragtasche. Heute hingegen ist es cool, mit einer IKEA-Plastiktasche zu flanieren. Wo führt das nur hin?
Mit Misstrauen beäugte ich in der Küche meiner Eltern die neue Lampe. „Es IKEA, no te gusta?“ fragte meine Mutter stolz. „Buenoo, no se.“war meine Antwort. Wieso sollte ich meiner Mutter sagen, dass ich die Lampe Scheisse fand, obwohl ich selber mehrer Bücherregale von IKEA besitze? Aber eben, ein spanische Küche, meine spanische Küche oder zumindest das, was ich mir darunter vorstelle, hat nun mal keine schwedische Lampe!
Dann schaute ich herum und fand Dinge, typisch spanisch, die mein Herz erfreuten. Hier das erste Beispiel: Zuckerrohrhonig gewidmet der Virgen del Carmen. Die Virgen del Carmen oder nuestra Señora del Carmen ist die Schutzheilige aller Seefahrer und Fischeer. Am 16. Juli wird dieser Tag in ganz Spanien gefeiert. 
Und ich erspähte noch etwas besonders Putziges. Olivenöl und Essig in kleinen Portionenbehältern. So wie unsere Rähmli. Und dann erst noch dieser Name: Capricho Andaluz (die andalusische Laune oder Marotte)! Da wurde es mir warm ums Herz, und ich schloss Frieden mit der IKEA-Lampe.
text and pics by canela
recht hast du! es lebe das europa der regionen. ich befürchte nur, es wird sich auf die dauer nicht halten lassen
Von: zores am 12. November 2008
um 10:33
IKEA Produkte gibt es seit 1943 nicht nur in zahllosen Haushalten und so, aber mittlerweile auch in 237 IKEA Shops in 34 Ländern weltweit, die von insgesamt über 458 Millionen Menschen pro Jahr aufgesucht werden. Aber man muss das nüchtern sehen: Den Jägermeister gibt es immerhin schon in über 80 Ländern der Welt – zum Wohl und Übel!
Qed.: Ich unterstütze natürlich Deine beschriebene Sichtweise mit heftiger Entschlossenheit, meine Liebe – doch auf Europa lässt sich das längst nicht mehr beschränken, nicht mal hier in Ramat Gan.
Katzenelson,
den die Frauen sehr lieben – obwohl sie ständig besoffen sind…
Von: Katzenelson am 13. November 2008
um 7:54
Muss ich mal zores recht geben.
Und: Irgendwie sind wir alle auf eine gewisse Art und Weise Konsum-Romantiker. Oder ist das bereits Nostalgie?
Von: leonope am 13. November 2008
um 12:20
Aber El Corte Ingles wird an IKEA noch nicht gleich Pleite gehen.
Und zugem ist die Wahrscheinlichkeit, dass es El Corte Ingles bald in der Schweiz gibt sehr gering. Hast Du Dir eine Tasche mitgebracht?
Von: nedganzbachert am 13. November 2008
um 1:16
@zores: ja das befürchte ich auch. leider. all diese feinen kleine eigenheiten werden einfach ausradiert. und bald sind wir die gleich normierten gurken, die sich so super verpacken lassen aber nur nach wasser schmecken.
@katzenelson: dafür hast du doch in ramat gan so viele hübsche diamanten
das sollte die alkoholiserten frauen ganz schnell nüchtern machen.
@leonope: in ein paar jahren sind wir eindeutig nostalgiker. es dauert nicht mehr lange
@ngb: ich war nicht im el corte ingles. also kann ich leider nicht protzen.
aber dafür war ich im sfera, die gibt es noch! nicht in der schweiz. fragt sich nur für wie lange…..
Von: canela am 13. November 2008
um 9:11
ich drücke Dir die daumen, dass es noch eine Weile so bleibt.
Von: nedganzbachert am 13. November 2008
um 10:03