Verfasst von: canela | 26. Oktober 2008

Im falschen Raum mit richtigen Antworten

Ich musste vor meinen mündlichen Prüfungen unbedingt ein Angst-Bisi machen. Mein Kopf war wattig, mein Mund trocken wie die Sahara und mein Herz schwer und traurig. Ideale Voraussetzungen um brilliant lächelnd vor den Experten die Antworten zu liefern, die sie hören wollten.

Ich hatte wahnsinnig Schiss vor der Prüfung. Und das einzige Unbehagen, das ich mich im Stande sah sofort zu ändern, war auf die Toilette zu gehen. Also sah ich ein Männchen an der Türe, öffnete sie und ging hinein. Im Raum roch es nach Türenparfum. Das sind diese seltsamen Dinge, die oben an der Türe befestigt sind und dich genau dann anspucken, wenn man unten ihnen steht und herauf schaut. So wird man für kurze Zeit blind und man sieht nicht so richtig, ob die Toilette sauber ist oder nicht.

Durch einen Schleier erblickte ich seltsam kleinen WC-Schüsseln, die an der Wand befestigt waren und ich fragte mich, wie ich mich überhaupt auf eines dieser hohen Porzellankreationen setzen soll. Da durchfuhr mich ein Blitz. Gott sei Dank, muss ich sagen! Ich war auf der Herrentoilette. Meine letzten müden Synapsen hatten doch noch geschaltet. Spät zwar, aber immerhin.

Dass ich mich überhaupt fragte, wie ich auf eine Schüssel raufkommen soll, hat mich getroffen. So weit war ich schon heruntergekommen. Ich merkte nicht mal mehr, ob ich auf der Frauen- oder Herrentoilette war. Ich kehrte tastend herum – meine Sehkraft war ja etwas eingeschränkt – und tapste dann hinaus in die richtige Toilette. Fünf Minuten später hatte ich zumindest keinen Druck mehr auf der Blase. Die einzige Schwere, die ich los wurde.

Eine halbe Stunde danach kam ich betäubt aber lächelnd aus dem Prüfungsraum. Man hatte mir genau die Fragen gestellt von den 46, die ich konnte. Hätten sie mich etwas über Phraseologismen oder über innere und äussere Lehnwörter gefragt, hätte ich tapfer lächelnd mit wehender Fahne abdanken können. Aber manchmal hilft das Schicksal.

by canela


Antworten

  1. na ja, bei mir war’s gestern beim „wassergewöhnungswassweissichauchimmer“ schwimmen mit klein jonas. bisher habe ich im letzten jahr bloss di grösser leonie in den schwimmunterricht begleitet. und die schwimmt in ner klasse, bei der sich die eltern nicht mehr umziehen müssen.
    von daher ich strammen schrittes voran und kopfnickend mit einem zum 100testen male wiederholend „ja jonas, wir gehen schwimmen im hallenbad und mama und leonie waren auch schon hier“ ab in die umkleide. türe zu, direkt zum nächsten hacken, umgedreht und ups., drei vier damen in unterwäsche rund um mich herum. phua. das ist doch mal ein samstagmorgen! so sollte das wochenende doch eigentlich immer beginnen. ich hab dann noch freundlich nachgefragt ob ich kurz draussen warten soll und dabei kleinlaut behauptet, hier gäbe es keine zweite umkleidekabine. Nun ja, ich habe sie kurze zeit später gefunden.

  2. tja, solange du in den „kleinen wc schüsseln“ nicht versuchst den mund zu spülen, ist noch nichts schief gegangen. :lol:

  3. gratuliere.

  4. @roger: gröhl, deine geschichte ist aber auch supi ;-)

    ich habe deshalb extra auf ungarisch damenumziehkabine gelernt: nöi öltösök (so wird es zumindest ausgesprochen) damit ich nicht bei den männer lande, als ich mal in budapest war.

    @zores: du bist einfach ein grüsel, *würg! :-)

    @falki: noch nicht bitte. ich weiss ja gar nicht, ob ich bestanden habe….


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