Heute ertrank mein Blick in all dem Grün, welches die Wälder und Wiesen zeigten, und ich musste ihn mit den starren Buchstaben im Buch beruhigen. Als ich dann weiter las, sprudelten die Lettern wie eine Quelle und ich versuchte mit offenem Mund ein paar Tropfen zu fangen.
Was ich sehe, nehme ich erst ein paar Sekunden später wahr. Mein Blick ist müde. Er hat zu lange Fernsehen geschaut. Metallica flimmerte letzte Nacht über den Bildschirm, mein Blick blieb hängen und mein Kopf nickte zum Takt. Als ich heute morgen aufstand, suchte er den kleinen schwarzen Schatten. Nicht bewusst, nur aus reiner Gewohnheit. So ist nun mal mein Blick, ein Gewohnheitstier! Aber nirgends war das leise Schwarz zu sehen. Keine gelben Augen, die an mir klebten. Mein Blick ist ein alter Dusel, unflexibel und starr. Wieso sollte er sich so schnell etwas Neues gewöhnen?
Als ich dann auf den Balkon schaute, erfreute sich mein Blick. Die Aussicht auf heute Abend, die Pflänzchen begiessen zu können und zu sehen, ob sie schon ein bisschen gewachsen sind, machte mich glücklich. Die Vorstellung, dass meine Augen die braune Erde absuchen werden, ob sich die Samen aus dem Päckchen “Wildflowers of Oregon” schon eingegraben haben und neues Grün ausspucken, liess meinen Blick glänzen.
Und dann knisterte es im Raum, ich drehte mich schnell um und mein Blick suchte die Wohnung ab. Aber es bewegte sich nichts. Meinen Blick umzugewöhnen wird dauern, aber mein Gehör wird wohl längers aufbegehren. Es ist wesentlich empfindlicher als mein Blick. Denn auch an Geräusche kann man sich gewöhnen. Auch wenn sie längst im Nichts verhallt sind.
by canela
Im Mai kann ich mir nicht vorstellen, wie ich November bis Februar ohne (zusätzliche) Depressionen überstanden habe
Im November weiß ich dann aber schon wieder, dass die Nebelstreifen über der Landschaft ihre eigene Faszination ausüben.
Aber was interessiert mich das jetzt?!
Mai! Sonne! Farben! Biergarten! kurze Röcke! (Mein Gott, ich bin auch nur eine Mann!)
Von: nedganzbachert am 5. Mai 2008
um 9:11
Deine Sicht den Dingen Leben einzuflössen, finde ich genial. Dein Blick als selbständiges Wesen.
Von: Susa am 5. Mai 2008
um 11:37
Ja! Und die leibe zum Grün kann ich nur teilen
Von: der toby am 5. Mai 2008
um 6:08
@nedganzbachert: ja und männer mit nackten beinen in kurzen hosen. die füsse in weissen socken und sandalen gesteckt.
@Susa: ich wusste nicht, dass sogar das, was man jahrelang gesehen hat, eine weile weiter sichtbar ist. obwohl es nicht mehr existiert.
@der toby: gell, jetzt ist es einfach besonders erquickend das grün!
Von: canela am 6. Mai 2008
um 7:25
Ja Canela, ich habe mir gleich die Schere geholt und meine Jeans abgeschnitten. Habe ich auch mit grauen Socken und Birkenstöckern eine Chance bei Dir?
Von: nedganzbachert am 6. Mai 2008
um 1:11
Oooops! Zu spät gesehen, dass das “Smiley” garnicht lächelt.
Kannst Du nähen?
Von: nedganzbachert am 6. Mai 2008
um 1:13
@nedganzbachert: also wenn deine socken mit den birkenstöcken zu deinem schmerbauch im bild passen, dann hast du zumindest eine linie beim anziehen. das hat nicht jeder
da muss nichts angenäht werden.
Von: canela am 6. Mai 2008
um 9:51