Heute Morgen fragte mich mein Eselein im Stall: „Mama trägst du einen Rock?“ Ich iaaaahte: „Ja, mein Schätzchen!“ Er antwortete: „Gehst du tanzen?“ „Nein, heute ist mein letzter Tag auf dem Bauernhof.“ wieherte ich hoch glücklich in den allerhöchsten Tönen, die eine Eselsmutter von sich geben kann.
Ich bin eine Eselin, die brav in die Schule ging. Ich lernte viele Dinge, nützliche wie nutzlose. Schon von klein auf wollte man mir aber das Bocken verbieten. Wie soll man einem Esel diesen Charakterzug verbieten, wo er sich doch die Hand gibt mit dem „Iahhh“. Ein Esel, der nicht bockig ist, ist kein richtiger Esel!
Vor langer Zeit las ich Animal Farm. Ein Buch, das mich als Eselin beeindruckte. Ich hatte schon oft mit Schweinen gearbeitet. Dass ich auf einem von Schweinen regierten Bauernhof landen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Denn als Esel unter Schweinen, hat man keine leichte Zeit. Man hat zwar auch vier Beine, aber das ist das Einzige was einem verbindet. Das Grunzen und Wiehern klingen nicht gleich. Auch mit Schönreden nicht.
Ich finde Schweine haben etwas von den Menschen. Es soll kein grosser Unterschied zwischen ihnen herrschen, habe ich gehört. Menschen stinken und sie sprechen in einer sonderbaren Sprache. Wie die Schweine. Ausserdem sind sie gefährlich. Einige sind hinterlistig und lügen. Heuchelei halten sie für Anstand. Sie lächeln dich an und hauen dir dann mit der hinter dem Rücken versteckten Peitsche auf den Arsch. Aber was weiss ich schon, ich dumme Eselin!
Bei uns auf dem Bauernhof muss man nicht gute Arbeit leisten. Man muss nur eine billige Arbeitskraft sein. Darum lässt man bald eine Eselin aus Deutschland den Mahlstein drehen. Das haben die Schweine bestimmt. Also die Obersau.
Die Obersau oder der Meister Eber ist ein männliches Schwein, dass ganz laut grunzt. Es grunzt ziemlich dumm und ohne tieferen Sinn. Aber weil es so laut grunzt, finden es die anderen Schweine toll und tun alles, was der Meister Eber sagt. Und der meinte kürzlich, eine bockige Eselin wie mich, wolle er nicht auf dem Bauernhof haben, da gäbe es dankbarere Esel aus den Niedriglohnländern. Wie zum Beispiel Deutschland.
Heute ist mein letzter Tag auf dem Bauernhof. Ich bin nicht traurig. Ich trage einen Rock und damit geht man Tanzen.
by canela
Wunderbar geschrieben !
Von: rockgöre am 21. Februar 2008
um 1:27
„All animals are equal, but some animals are more equal than others.“
Du hast mich auf einen guten Gedanken gebracht mit deiner Tiergeschichte. Ich komme mit zum Tanzen.
Von: acqua am 21. Februar 2008
um 6:34
Das Arbeitsleben kann ein Saustall sein. Nur viele wissen es noch nicht oder schliessen die Augen.! So wie du es beschreibst, geht es in hunderten von kleinen und grossen Firmen ab.
Aber du hast echte Qualitäten als Märchentante
Und du bist einer der wenigen Frauen, die ich kenne, die ihre kindliche Seite noch bewahrt haben. Zumindest scheint es so beim Schreiben. Weitermachen! *imChefTon*
Von: Ralfi am 21. Februar 2008
um 10:25
hm. ich mag schweine. menschen mag ich nur begrenzt. aber schweine sind voll ok. die haben so witzige rüssel. ja, schweine sind die guten. esel sind eher schwieriger
was ich wohl für ein tier wär *studier*
Von: redder am 22. Februar 2008
um 12:56
@rockgöre: merci beaucoup! ich mag halt märchen….
@acqua: ja dieser spruch gefällt mir besonders.
@ralfi: ich bin so kindlich, dass ich sogar kurz bin.
@redder: deinem avatar nach: ein seehund?
Von: canela am 22. Februar 2008
um 5:17
ja, einfach besser rasiert
nö, am ehesten wohl ein kater: eingebildet, unabhangig und faul
Von: redder am 23. Februar 2008
um 5:57
@redder: so einen habe ich zuhause. aber mit dem eingebildet sein, hat er noch so seine probleme. dafür ist er neurotisch. nicht umsonst nennen wir ihn mr. monk.
Von: canela am 24. Februar 2008
um 10:41