Wir sitzen in einem ländlichen Restaurant und hatten Lust auf etwas Bodenständiges oder wie wir sagen Urchiges. Ein Arbeitskollege ist bilingue, er kommt aus Biel oder Bienne. Er näselt beim Sprechen und hat diesen französischen Akzent. Auch rollt er das R nicht wie wir, sondern gurrt es. Das gutturale R halt.
Als er an der Reihe ist beim Bestellen des Essens:
Er: Ain gordon blö! (Ein Cordon Bleu.)
Die Servierdüse: Wiieee bitteee?
Er: Ain gordon blö!
Die Düse: Das verstohneni need!
Er: Es kkkordon blööhhhh!
Sie: Aaahh es kordon blöhhh!
by canela
Kordon Blöh *lach
Von: globy am 24. Januar 2008
um 12:31
hihi… na aber die Aussprache war bestimmt nicht sooo unterschiedlich, dass die Kellnerin es nicht verstanden hätte! Die hat sich angestellt…denke ich…oder???
Von: gaviota am 24. Januar 2008
um 1:06
Liebste canela, das klingt ja wie Sächsisch. „Nennen Sie zwei deutsche Prüfinstitute.“ – „Düff un Däggrah“ [TÜV und DEKRA] In Zürich verstehe ich jedenfalls die Menschen recht gut. Schöne Stadt, das! Ach ja … Das letzte Mal wurde gerade eine Fotostory mit Udo Jürgens auf einer Yacht auf dem Zürichsee produziert. Der Udo. Und ich.
Von: stylebitch am 24. Januar 2008
um 9:11
Also mit emenä Kordonblöh chasch der diä schlimmscht Magekoolik vu allne ziitä uslöösä, oder.
Nur so zum säge halt!
Von: nichts am 24. Januar 2008
um 10:40
@globy: die aussprache ist wichtiger als man denkt. ich denke da an einen deutschen kollegen, der dienstag auf schweizerdeutsch sagt. zischtig, klingt bei ihm völlig anders und wird manchmal nicht verstanden. obwohl er eigentlich genau das bezwecken wollte.
@gaviota: es ist ziemlich unterschiedlich. weil cordon bleu, auf französisch anders klingt als wenn man es helvetisiert sagt.
@stylebitch: du verstehst die zürcher? haben sie mit dir schweizerdeutsch oder hochdeutsch gesprochen? weil ein deutscher sagte mir einmal ganz erstaunt, er sei überrascht wie gut er mein schweizerdeutsch verstehe. ich antwortete: ich rede gar nicht schweizerdeutsch! es ist hochdeutsch!
@nichts: bisch du zürcher? so vili äs gets gar ned bi öis. wobi as aargouerin han i eh ke richtige dialäkt. defür immer wissi socke a und e fuchsschwanz an mim kule auto.
Von: canela am 25. Januar 2008
um 9:45
Nicht das ich Dich enttäuschen möchte, die Zürcher streiten sich, ob in meinem Züridüütsch nicht zuviel Glaarnertütsch ist.
Die Glarner sehen das etwas anders, für sie ist in meinem Glaarnertütsch zuviel Zürischnurre.
Mir egal, ich bin eh ein Europäer … und einen Opel Manta hab ich auch nie gefahren, geschweige denn mit Fuchsschwanz (Pelz tragen Gewissensfrage!)
Von: nichts am 25. Januar 2008
um 4:23
@canela: Hm. So, dass ich es einigermaßen verstehen konnte. Also Hochdeutsch?
War überhaupt froh, das man mit mir spach. Eine Kollegin (gebürtige Münchnerin), die jetzt Chefredaktorin einer großen Schweizer Illustrierten ist, wurde auch nach 5 Jahren noch hinter ihrem Rücken mit „Frau Obersturmbannführer“ betitelt. Und sie ist beileibe kein fieser General als Boss! Ich riet ihr, in solchen Fällen bloß ein Wort zu erwidern. Sehr langsam. Sehr betont. „Z-A-H-N-G-O-L-D“
Hat sie sich aber nie getraut …
Von: stylebitch am 25. Januar 2008
um 8:13
“Z-A-H-N-G-O-L-D”?
Erkläre mir doch mal bitte diese ohnehin geschmacklose Pointe – nichts zu danken!
Katzenelson,
Herr der kurzen Wege…
Von: Katzenelson am 25. Januar 2008
um 11:56
Ich liebe ja so kleine sprachliche Missverständnisse. *kicher* Süss!
Von: andreschneider am 26. Januar 2008
um 12:24
Was letztlich erklärt WARUM diese Schnepfe eine Servierdüse ist
Von: leonope am 26. Januar 2008
um 3:13
@nichts: hmm das „vu“ konnte ich überhaupt nicht einordnen. wobei ich höre selten bis nie glarnerdütsch. du bist europäer? wie fühlt sich ein europäer?
@stylebitch: wahrscheinlich war es hochdeutsch, sonst hättest du kaum etwas verstanden.
@katzenelson: ich glaube nicht, dass stylebitch es so meinte, wie du es meinst. oder täusche ich mich?
@andréschneider: eigentlich war es kein missverständnis. aber mein kollege war herrlich, als er all die kkkkkks hervorholte, bis sein hals kratzte.
@leonope: zu ihrer verteidigung. ich habe auch schon dinge nicht verstanden. und das nicht, weil ich spanierin bin. sondern weil die wörter zum teil anders ausgesprochen werden oder anders betont. z.b. mäuschen: auf baseldeutsch: myysli, in meinem dialekt: müsli. auf gut obelixisch gesagt: die helvetier die spinnen
Von: canela am 26. Januar 2008
um 4:10
Natürlich meint sie es nicht „so!“ – die meinen das alle nicht so, nicht der Adrian aus BigBrother, nicht der DJ ausm Dschungel… niemand, nie und nimmer! Wann endlich sehe auch ich ein: Bloß ich bin doof und böse, die anderen tun sich höchstens selbst mal leid.
Schickes Wochenende noch, meine Liebe!
Von: Katzenelson am 26. Januar 2008
um 4:15
Aber ich komme auch aus der Umgebung von Biel, Bienne, und bin auch zweisprachig aufgewachsen. Man sprach berndeutsch, aber man gurrte das R nicht. Vielleicht sprach Dein Kollege daheim französisch, und die lernen nicht gern und nicht gut Dialekt. — Ich selbst spreche nun besser Hochdeutsch als Schweizerdeutsch, und heimatschtutznonemol jessesnai don’t mention it wie das war auf dem post office in Züri
Von: cantueso am 26. Januar 2008
um 4:16
@katzenelson: hmm. deshalb fragte ich, ob ich mich täusche…. die anderen sah ich gar nicht und weiss nicht, was dort geschah.
@cantueso: er spricht französisch zuhause und schweizerdeutsch muss er, sonst würden ihn die hälfte der arbeitskollegen gar nicht verstehen
war zürich schlimm?
Von: canela am 26. Januar 2008
um 5:07
Bevor ich nun hüstelnd in mein Schlafgemach stolziere (bin seit einer Woche wach oder so), darf ich Dir meine Erfahrung zur gefälligen Kenntnisnahme nahe legen: Wo sich andere im besten Fall nicht mal fragten, ob sie dies und jenes überhaupt so sagen dürfen wie sie es taten, da brauchst Du Dich nicht zu grämen, ob Du das so oder so zu verstehen hast – gehe bereitwillig vom Schlimmsten aus und behalte Recht, meine Liebe!
Und nun meine letzte Abendvortellung für heute, *räusper*:
– - –
Draussen…
verbrennt ein Sonnenuntergang den Tag,
sagt Herr Fuchs dem Hasen Bescheid,
schlüpft der Dieb in leise Sohlen,
färbt das Aschfahle sich ein,
kannste machen nix.
Gut Nacht.
Von: Katzenelson am 26. Januar 2008
um 5:22
@canela…schjon klar. Myysli und Müsli kann man ja noch verstehen. Aber Cordon Bleu und Gordon oder Kordon Blö ist ja wohl eine einfachere Übrung, denk ich mal. Ich seh schon, ich muss wieder mal in die Schweiz um alle vollständig in den Wahnsinn zu treiben LOL
Von: leonope am 26. Januar 2008
um 7:08
Süß
Einer der wenigen Vorteile meiner Herkunft (Allgäu) ist, dass ich Schweizer in der Regel gut verstehe. Im Gegensatz zu schwäbischen Dialekt der im Allgäu gesprochen wird, klingt Schwyzerdütsch tatsächlich sehr süß.
Von: der toby am 26. Januar 2008
um 7:40
@canela: es könnte auch ‘fu’ geschrieben werden. Da es ‘von’ heisst bin ich dem ‘v’ des Deutsch treu geblieben, obwohl ‘von allen Zeiten’ natürlich kein Deutsch ist
Ein Europäer fühlt sich europäisch … mir gefällt’s in Lissabon, Barcelona, Florenz, Wien, Kopenhagen, Edinburgh, Luxembourg, Delft; kann mir auch ein Leben dort vorstellen.
@stylebitch: Es gibt nicht so viele Schweizer denen bewusst ist, dass Teile der Goldbarren, die unter dem Paradeplatz liegen, Zahngold waren.
Von: nichts am 26. Januar 2008
um 10:37
@katzenelson: dann wünsche ich dir gute besserung.
ich konnte deine empörung nicht teilen, weil ich nicht wirklich verstand was man mit zahngold gemacht hat. dank „nichts“ weiss ich es. aber ich habe trotzdem nicht verstanden, was stylebitch damit sagen wollte.
@leonope: in wien soll es ja auch schon in der stadt selbe verschiedene wörter und arten der aussprache geben.
@der toby: schweizerdeutsch ist süss? ich finde es klingt nicht sehr hübsch. mein vater nannte es immer hundebellen. aber ich spreche so. und das ist ok.
@nichts: danke für die aufklärung wegen dem zahngold.
sich europäisch fühlen? ich finde diese städte auch schön. doch erfahre ich sie, als verschieden, im gefühl dass mir die mir die menschen vermitteln oder entgegen bringen.
Von: canela am 27. Januar 2008
um 5:17