Als ich klein war, sagte mein Vater zu meiner Mutter entrüstet: „Schau mal, der Sohn gibt der Mutter die Hand zum Abschied!“ Völlig entsetzt schauten sie der Verabschiedung zu. „Was ist das nur für ein Land, wo man sich nicht küsst und umarmt?“ fragte meine Mutter, obwohl sie wusste, dass mein Vater keine Antwort darauf hatte.
Diese Szene kam mir heute wieder in den Sinn, als ich beobachtete, wie Mütter ihre Söhne in Militärkluft an den Bahnhof brachten. Auch mir mutet es sonderbar an, wenn Söhne sich so von ihren Müttern verabschieden. Sowas habe ich noch nie in Spanien gesehen. O.k. bin ich ja auch nur selten dort. Was weiss ich schon, was dort gang und gäbe ist!Trotzdem möchte ich nicht, dass in Zukunft mein Sohn sich so verabschiedet. Und ich möchte auch nicht, dass er den Militärdienst macht. Er macht für mich keinen Sinn. Aber entscheiden wird er, was er macht oder nicht.
Da sehe ich sie am Bahnhof stehen, die jungen Männer, so ganz in grün. Sie stehen breitbeinig da und rauchen. Ich kann mir vorstellen, dass sie eine leise Vorfreude empfinden, weil sie für eine gewisse Zeit, ein ganz anderes Leben führen werden. Wahrscheinlich ist es auch Abenteuerlust oder einfach das Zusammensein mit anderen Jungs, dass diese paar Wochen spannend erscheinen lässt.
Solche Jungs, aber in hellen Militärkleidern, sah ich letzte Jahr in Dallas. Am Flughafen gab es überall kleine Cafés extra für die Militärs eingerichtet, die in den Irak flogen. Die Verköstigung war gratis. Auf handgeschriebenen Plakaten stand: „Wir sind stolz auf euch Jungs!“ oder „Amerika dankt allen Männern für ihren Einsatz“. Diese junge Männer sahen teilweise wie 15 aus, ihre Gesichter waren klar und durchsichtig wie Quellwasser. Man sah ihnen förmlich an, wie Stolz sie waren, Dienst leisten zu können. Ihre Freundinnen mit kurzen Minis plapperten aufgeregt auf ihre Freunde ein. Gemeinsam tranken sie Kaffee und assen Kuchen.
Wie viele würden ihren Freund nicht wieder sehen? Wie viele Mütter haben ihre Söhne zum Abschied umarmt?
by canela
dieser Song
bringt das Thema auch gut rüber.
Und: Meinen Grossen zu Umarmen, käme dem Versuch gleich, einen Kaktus in die Arme schliessen zu wollen
Von: Mme Lila am 3. September 2007
um 9:06
@mme lila: wie wahr! pink gefällt mir eh am besten von all den girlies. sie hat format.
was dein ältester betrifft, ich sehe immer wieder im spanischen fernsehen oder wenn ich in spanien bin, dass es wohl etwas mit mentalität zu tun hat. man ist einfach herzlicher. auch wenn man in der pubertät ist. was nicht unbedingt heisst besser
Von: canela am 3. September 2007
um 9:32
ach was, das liegt doch einfach in den familien selbst wie damit in der öffentlichkeit umgegangen wird. ich war nie im militärdienst, ohne dass mich die halbe verwandtschaft zum abschied umarmt hat. zudem hast du ja keine ahnung, ob sich die jungs von ihren müttern (übrigens weicheier, die sich von mutti zum bahnhof bringen lassen) nicht schon zuhaus mit herzlichen umarmungen verabschiedet haben, das gibts ja schliesslich auch!
zum militärdienst selbst. ja, es ist ein anderes leben und mann freut sich irgendwie darauf, selbst wenn mann offiziell darüber flucht. zudem glaube ich nicht, dass jemand diese stimmung und dieses gefühl beschreiben oder nachempfinden kann, der noch nie in der situation steckte. vielleicht, das war dein anstoss heute, mach ich mal ein post darüber.
Von: zores am 3. September 2007
um 11:18
denke auch zores hat recht, wie man sich veranschiedet, ist in erster sache eine frage der familie und dann des kulturkreises in dem man aufwächst. Im deutschsprachigen, war es soweit ich weis, nie brauch, sich zum abschied zu umarmen, das kommt erst so langsam, mit den ganzen kontakten zum ausland. ich habe mich auch nie von meinen eltern mit umarmung verabschiedet, das wird erst bei meinen eigenen söhnen, obwohl die inzwischen größer sind als ich, so gemacht. hmm dabei ich weis gar nicht, ob sie es auch bei ihrer mutter zulassen???
ob wirklich alle mit freude zum militärdienst gehen, mag ich bezweifeln. meine eigene zeit ist ja auch schon eine weile her und damals, war es eine pflicht das zu tun und entsprechend beliebt war es bei den jungens. aber auch da gilt, nachher sieht alles nicht mehr so schlimm aus, wie es einem während der zeit vorgekommen ist.
was du über das aussehen der us-boys gesagt hast, kann ich nur unterstreichen. habe zu meiner zeit einmal mit denen zu tun gehabt und hab mich da wirklich gefragt, ob die kinder in der armee haben. solche milchbubies standen uns da gegenüber, die an nichts mehr freude hatten, als wenn es knallt und raucht.
Von: tuxfriend am 3. September 2007
um 12:29
@ tuxi
seit jeher werden „kinder“ im krieg verheizt. das war schon vor 500 jahren so. kindersoldaten sind nichts neues, sondern die regel. die „männer“ sind zwangsläufig älter und vorgesetzte, die nur noch die kinder in den tod schicken, aber selbst nicht mehr kämpfen müssen.
mein vorschlag war immer, je höher der rang, desto näher an der front bist du. meine überzeugung, so mancher general würde den frieden suchen und nicht den krieg.
Von: zores am 3. September 2007
um 1:28
@zores,
100% agree!!!!!
krieg ist das was die menschheit am wenigsten braucht.
was mich nur überrascht hat damals. wir waren im schnitt auch nicht älter als die amis, aber vom aussehen und verhalten, lagen welten dazwischen.
Von: tuxfriend am 3. September 2007
um 1:41
@zores und tuxfriend: da könnt ihr sagen was ihr wollt. in spanien verabschiedet man sich mind. mit einer umarmung. es ist in erster linie kulturell und dann familiär. ob privat oder öffentlich, spielt keine rolle.
Von: canela am 3. September 2007
um 1:43
That’s the way it goes. Meine Verweigerung steht in den Startlöchern …
Von: plasmaoxyd am 3. September 2007
um 4:10
stellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin.
Von: andi am 3. September 2007
um 4:22
@plasmaoxyd: von dir hätte ich auch nichts anderes erwartet
@andi: das schrieben wir uns als teenager auf unserer jeans….
Von: canela am 3. September 2007
um 6:55
@canela,
ich persönlich finde es auch gut. nur in deutschland gibt es da schon wieder einige, die es ablehnen sich so zu begrüßen, oder zu verabschieden, weil das ist ja die schickimicki und bussi-gesellschaft und da will man nicht zu gehören. es gibt halt bei uns leute die haben an allem etwas aus zu setzen
dabei gibt es doch nichts netteres, als sich mit einer umarmung und einem unschuldigen küsschen von einem netten mädel zu verabschieden
Von: tuxfriend am 3. September 2007
um 9:40
@tuxfriend: in deutschland herrscht ja auch eine andere kultur. wie in der schweiz auch. darum das händeschütteln. wären wir bei den inuit, würden wir die nase aneinander reiben.
und die umarmung gilt auch für die hässliche schwiegermutter (mit zwei küsschen) und für den fetten, übelriechenden schwiegervater (ohne küsschen dafür schulterklopfen).
du begrüsst ja auch nicht nur die schönen menschen!
Von: canela am 4. September 2007
um 10:19
bei hässlich kann man die augen zu machen und sich was nettes vorstellen
gut bei übelriechend wird es schwierig, weil sich ne klammer auf die nase setzen kommt glaube ich nicht gut
))
Von: tuxfriend am 4. September 2007
um 4:13