Verfasst von: canela | 21. Mai 2007

Ich will einfach Frau sein

Manchmal habe ich das Gefühl, dass all die Verschwörungstheorien gegen das weibliche Geschlecht von Emanzen und Feministinnen nicht von ungefähr kommen. Wie ich zu diesem Schluss komme?

Da war ich doch am Sonntag in der Badi (für die deutschen Leser, Schwimmbad). Und ich dachte mir, komm Canela zieh das Badekleid an. Noch bist du nicht mehr wie vorher. Ich bin eitel, ich gebs zu. Es stört mich nicht besonders (ich bin in der postmenstruellen Phase, jahaaa), da ich mich noch nicht von ihr versklavt  fühle, dieser Eitelkeit. Aber Badekleid fand ich ok und angebracht. Schliesslich ging ich nicht an ein Lido. Sondern besuchte die Dorfbadewanne unseres kleinen Kaffs.

Als ich nun meinen Kleinen in das pisswarme Wasser hineingleiten lies, schaute ich mich um, was es so für erwachsene Badenixen und Neptuner oder Neptunis? gab. Ich war völlig ernüchtert! Herr und Frau Normalo waten mit dicken Bäuchen und Schlabberschenkeln herum und fühlen sich einfach wohl. Oder tun zumindest so. Und ich nehme nicht mein blödes Bikini hervor, weil ich denke, dass mein Bauch einen Pirellischlauch zuviel hat. Pah, was bin ich doch blöd!

Zurück zur Verschwörungstheorie. Ich als alte Marketingtante kenne die verschiedenen Marketinginstrumente. Eins darunter ist die Kommunikation und ein Teil davon ist die Werbung, die auf verschiedenen Plattformen laufen kann.

Der TV-Spot für die Anticellulite-Créme zum Bespiel. Man muss ihn nur möglichst oft in der zielgruppengerechten und affinen Zeit schalten und schon denken viele Frauen, so einen Arsch will ich auch. Dass dieser Hintern wohlmöglich einer 15-Jährigen gehört, die eh keine Orangenhaut hat, sieht man nicht. Weil wenn man den Arsch zeigt, nicht das Gesicht.

Nun frage ich mich: Hallo? Was ist das nur für einen Scheiss? Fast jede Frau hat so eine Haut, mehr oder weniger. Na und? Wenn jede sowas hat, sollte es doch normal sein. Aber nein, uns sagt man, das sei ein Problem. Welches bitte? Und für wen eigentlich?

Die Frauenzeitschriften geben sich die Hand mit diesen doofen Spots. Das sind keine Frauenzeitschriften, das sind Anti-Frauenzeitschriften. Ich lese solche genau einmal im Monat, bei meinem Frisör. Und dann frage ich mich, nachdem ich so einen Schwachsinn gelesen habe, wie Brigitte, Freundin (ha, das ich nicht lache) und Cosmopolitan, wie man sogenannte Problemzonen wegmacht. Ich habe keine. Ihr macht mir welche, ihr Arschlöcher oder -innen! Denn meine einzige Problemzone ist, wenn ich den falschen Mann an meiner Seite habe. Mehr nicht.

Da werden Millionen von Frauen systematisch verunsichert. Damit man möglichst viel Kohle damit machen kann. Statt sich einem guten Buch zu widmen, studieren viele blöde Fitnessmagazine und beknackte Frauenzeitschriften. Saugen sich mit Diäten den Körper weg und pumpen ihn wieder auf mit Fressorgien.

Wie kann es sein, dass ein S so klein geworden ist, dass nicht mal 13jährige hineinpassen? Und wieso vergleichen wir uns immer wieder mit Models? Einer Berufsgattung, die nur fürs Schönsein bezahlt wird. Also das ist ihr Job und nicht ein Geschenk. Also hallo Weiber? Raucht ne Zigi und sauft euch einen an! Schmeisst die Waage weg, diese Tyrannin. Das Leben ist mehr als ein Körper aus der Konservenfabrik.

Hier zum Abschluss diesen Spot. Mal was anderes und so wahr. Ich selber habe in einer Werbeagentur gearbeitet und weiss, mit was für fiesen Tricks, die Girls um Jahre geliftet werden und wir dummen Normalohühner glauben das, was wir sehen.

Scheisst auf Frauenmagazine und verbrennt sie! (Ich komme mir vor wie eine Sufragette, aber es ist ein geiles Gefühl, hehe!)

Ich lese nur einmal im Monat Frauenzeitschriften. Ich weiss warum. Denn eigentlich wollte ich mit dem Ganzen nur sagen, ich will einfach Frau sein, mit allem Drum und Dran.

by canela


Antworten

  1. Ersteinmal :D ein neues Outfit (vom Blog…) ist ja schick,gefällt mir!
    Ich gehöre ja zu der :Ich bade im Bikini-trotz -Problemzonen Fraktion,weil meine Problemzonen nur ein Problem für andere sind ;-) .
    wenn ich aber dick währe ,würde ich es nicht tun ,sondern mich nagemessen kleiden.Wahrscheinlich mich aber gar nicht in schwimmbad trauen.

  2. aaaahhhh endlich mal eine Frau die zur Vernunft kommt.
    Hoffe das viele viele Frauen das lesen und endlich begreifen das ein Frauenkörper nicht schöner wird wenn die Knochen rausstehn.
    Danke Canela

  3. eine Frau ohne Bäuchlein, ist wie ein Himmel ohne Sterne ;o)

  4. Vielleicht muss „Frau“ einfach älter werden um das so erkennen zu können canela. Man sagt ja nicht umsonst, dass Sex mit Damen reiferen Alters was Sensationelles ist. Kommt meiner Meinung nach eben auch daher, dass die Dame reiferen Alters auch ein freundlicheres Verhältnis zu ihrem Körper hat und nicht bei jeder Stellung überlegt „hmmm…..sieht man jetzt die Fältchen da und da?“ :-)

  5. Beim Frisör, beim Zahnarzt oder so. Lese ich auch mal so Männermagazine. Mit den Supi-Typen, gel-gefräste Mähnen, Waschbrettbäuche, teuren Fummel tragend.

    Und lache stets. Frage mich, wer soviel Geld für solche Schrott-Magazine ausgibt. Das Leben prägt und formt uns zu dem was wir sind; nicht das Marketing. Bei mir ist das so. Weil ich einen kleinen Marketing Background habe; ausbildungstechnisch. Und gleich kapierte, wohin der Hase läuft… ;-)

  6. Das ist wie bei den meisten sogenannten modernen *Krankheiten*. Wenn’s für ne Creme oder ne Pille noch keine Krankheit gibt, kreieren wir doch eine. Dann machen wir die Gesellschaft auf ihr Dilemma aufmerksam et voilà.

  7. @daniela: ob ich dick oder dünn bin, wenn ich spass am wasser habe, gehe ich ins schwimmbad und schere mich einen deut, was andere denken oder sagen.

    @eichhorn: ich bin doch schon lange vernünftig. vorallem wenn ich meine periode hinter mir habe. dann bin ich einfach die schönste, jawohl!

    @andi: das ist wirklich ein schöner spruch. ab jetzt werde ich meinem liebsten meinen bauch in voller sternenpracht zeigen. ;-)

    @jessn: älter werden müssen wohl viele, um gewisse erkenntnisse zu haben. wobei ich als junge frau nie an wie-sieht-mein-köper-am-besten-sex-stellung dachte. tue ich heute auch nicht. mein gegenüber ist ein normaler mann, den ich nicht liebe, weil er einen waschbrettbauch hat, sondern weil er etwas besonderes ist. das ist drin, nicht draussen.

    @phil: gerade du, der aufgebretzt zur mülltonne geht? hehe… aber du hast recht. geld für diese magazine auszugeben, ist wie geld aus dem fenster werfen. bei uns ists so: 4 von diesen magazinen gibt ein gutes buch. da liegt es auf der hand, was ich wähle.

    @rogerrabbit: genau, das heisst ein bedürfnis wecken, um einen neuen markt zu schaffen. ich kenne das zur genüge. ich mache marketing für eine software, die eigentlich niemand braucht, wenn man es genau betrachtet, grins.

  8. Ok, Dein Post ist nicht mehr ganz neu, aber so aktuell wie eh und je.
    Es verwundert mich nicht, dass auch Du es nicht geschafft hast, die Frauenmagazine auszurotten, aber meine Hoffnung, dass die „richtigen“ Frauen nicht aussterben, hast Du bestärkt.
    Ich habe mir vor Lachen die Hosen voll gemacht. Und es fühlt sich toll an.

  9. @nedganzbachert: du liest dich gerade etwas durch, was? ;-)

    du hast vollkommen recht. dieser post wird wohl nie seine aktualität verlieren. aber es gibt viele richtige frauen, sonst würde wir alle gleich aussehen. dicke titten, aufgeblasene lippen und einen iq, der uns gerade mal aufrecht gehen lässt.

  10. Es sind nicht die Frauenzeitschriften, die man ausrotten sollte, denn es hat auch nützliche Tipps wie Wellness, Alltag, Gesundheit etc. Sondern all diese Modelagenturen mit ihren schwulen Agenten (habe nichts gegen Schwule) die Models rausschmeissen, weil sie anscheinend zu „dick“ sind in Grösse 38. Und all diese Modezaren wie „Lagerfeld“ „Dolce&Gabbana“ etc…. (öhhh… die sind ja auch schwul…) die die Modelwelt diktieren und eine Victoria Beckham oder eine verkokste Kate Moss als Vorzeige-Zahnstocher mit Grösse 0 fördern und die noch dazu ein Scheissgeld verdienen….

  11. jösses hajnalka hast du doch mal hierher verirrt! ;-) willkommen! zu deinem statement: ja dicke frauen an die macht!

  12. „dicke frauen an die macht“ hat sich leider nicht bestätigt. die modewelt wollte weg von den haken auf den laufstegen und mehr realität beweisen. was ist passiert? noch heute rennen hungermodels über laufstege, deren klamottengröße keiner normalen frau passen.
    und immer mehr mädels hungern sich magersüchtig, weil werbung etc. ihnen das als IN suggerien :(

    liebe, echte frauen, überseht einfach die bilder in den zeitschriften. die sind ALLE retuschiert. es gibt keine frauen mit solch 200%igen reinen hautoberflächen. bleibt so, wie ihr euch am wohlsten fühlt und wir männer danken es euch :)

    wie „andi“ schon sagt: eine richtige frau ist mir lieber als wenn ich überlegen muss, ob ich grad eine holzlatte umarme ;)

  13. @wortmann: willkommen hier. ich weiss, dass sie retouchiert sind. ich arbeitete in einer werbeagentur, die werbung für dessous machte. sogar 17-jährige models wurden retouchiert.

  14. Eigentlich traurig, weil es ja sogar die angebliche „geistige Elite“ aller Länder glaubt, was man ihr so auftischt. Ich liebe die Werbung, nach wie vor. Aber auch nur weil ich das Vergnügen hatte, unter anderem „behind the curtains“ mitzuwirken und sehr wohl weiss, welches Spiel da gespielt wird. Fakt ist jedoch: Die Menschen verdienen es nicht anders. Wer immer nur vorgibt alles zu wissen und selbst nichts dagegen unternimmt, der gehört einfach beschissen :)

  15. danke für den willkommensgruss canela :)

    ohja, bei dessous ist retusche wirklich wichtig und gleichsam traurig, wenn ich das da lese mit den blutjungen models. eigentlich eine traurige vorstellung, aber die potenziellen kunden würden nichts kaufen, wäre in den werbungen etc. die wahren abbilder zu sehen.

  16. Daniela: „Meine Problemzonen sind nur ein Problem für andere.“

    ___

    Lächelnd lag sie da, auf rechtem Ellenbogen gestützt, giggelte hin und wieder, trotz allem zu unerfahren, mit halbwegs gespreizten Beinen, nackt wie sie war: Die Stirn freigekämmt, ihr Haar so blond wie frische Strähnen; möglicherweise extra für diesen Tag. Leuchtend dunkle Augen, freundlich, fordernd, sicherlich hingebungsvoll. Und Wangen so rot wie junges Blut. Ihre Nase vielleicht etwas zu spitz, so dass sie ab und an länger aussehen konnte, wie zur Trotzigkeit, was weiß ich, obwohl sie eigentlich puppenhaft klein war. Brüste, die mich zwischen Lust und Trieb längst nicht mehr unterscheiden ließen, und inmitten der lachenden Bauchfalte ein Krater so tief wie das nächste Ungewiss. Nein, auch ich wollte meinen Namen nicht nennen, als Teil vom Spiel. Sie kicherte noch mal. Auf ihren weißen Leinen machte sie eine hinreißend prächtige Figur und merkte es nicht einmal. Diese Natürlichkeit! Und diese großzügigen Lippen: Eine Achterbahn von einem tollen Mund, falls man da nicht aufpasste, und ebenso wangenrot. Wenn nur dieser Ehering und die Narbe vom Kaiserschnitt nicht an ihr gewesen wären, verdammt. Ansonsten hatte sie vorzüglich ins Beuteschema gepasst…

  17. @katzenelson: so schön!
    liest sich etwas melancholisch wie das buch „erinnerung an meine traurigen huren“ von gabriel garcia márquez

  18. Endlich ließ ich die betrunkene Fremde alleine in ihrem Zimmer spinnen und ging den ganzen langen Weg zurück nach Hause. Unterwegs setzte erneuter Regen ein, ohne Wind, und so blieb es mild. Was für ein Duft. Bald hatte ich die Stadt hinter mir gelassen, konnte in der dunklen Ferne schon die schiefen Dächer unserer Siedlung erahnen. Und weil es eine Abkürzung über den Friedhof gab, man musste nur die niedrige Pforte übersteigen, stand ich eine Weile später am ungeflegten Grab meiner Eltern, mitten in dieser Nacht; bis es mir zunehmend die Laune verdarb, zumal ein Gewitter sich aufbaute. Da kehrte ich noch vorm Morgengrauen heim, am Ende einer vermiesten Tour.
    Mutters vorsintflutliches Fleischermesser, Vaters Handschellen und mein Klebeband legte ich unbenutzt zurück an ihren Platz im Karton unterm Bett, zu den eingetrockneten Fingerkuppen, Brustwarzen, Ohrläppchen und schimmernden Goldkettchen der letzten Male.

  19. Ich rückte mir die Kissen zurecht. Bald darauf schlief ich ein, zurückgeworfen in den Traum: Ein als Mutter verkleidetes Monster weidet unser Lamm aus, auf dem verrosteten Gynäkologenstuhl im Keller, knöcheltief in Blut. Sie straft mich dabei keifend mit einer schier endlosen Predigt, wegen meiner Probleme mit jedem Mädchen, sortiert Innereien auf dem schiefen Beistelltisch, nährt in mir den Willen, endlich selbst etwas gegen die Zustände zu tun. Dann ist es bald still, während sie fachmännisch Reste der Lammleiche in handlichere Pakete zerteilt. Und ich bewundere ihre zielstrebige Selbstsicherheit. Am Ende wird sie sich beruhigen, wie immer, wird mir Bilder aus ihrer Jugend zeigen, auch mal als betendes Kind, wie glücklich, gutgläubig und unbesorgt sie doch gewesen war – vor meiner Schnittentbindung aus ihrem Bauch… und Vaters verdammtem Ring!

  20. Als ich erwachte, stand die Polizei bereits in der Wohnung, aufgeweicht vom Wetter und ganz ohne Pardon: Ob ich denn taub wäre oder was, zum Teufel!? Mein Wagen parkte in der Einfahrt von Dick Morrissons schwulem Blumenladen, und der hatte mal wieder keine Ruhe geben können, stand fuchtelnd im strömenden Regen. Er war gut bekannt gewesen für irgendeine enge Freundschaft zu meinem Vater, weil sie sich auch wirklich verflucht ähnlich waren; eine Tatsache auf die er irreführend gerne allzu angeberisch verwies. Und natürlich war es naheliegend, auch ihm „schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich“ zufügen zu wollen; er spornte einen geradezu an, hechelnd, sozusagen.

    »Nein – wir werden nicht unter seinem Bett nachschauen, dazu haben wir auch gar kein Recht. Das Auto kommt weg, und dann ist Ruhe hier.« Im Tal hatte es eine Überschwemmung gegeben, hörte ich sie sagen, da gab es gewaltig viel zu tun.

    Dieser hartnäckige Regen gestern hatte also einigen Leuten heftig an den Nerven gezerrt, sollte man tatsächlich meinen. Wer über manche Dinge den Kopf verliert, verliert: Vernarbte Ehefrauen jedenfalls fallen von jetzt ab nicht mehr aus dem Schema, sind vor mir nicht mehr allzu sicher. Und schon plane ich meine Rückkehr in die Stadt.

  21. Mal schauen wer Gabriel Garcia Márquez so ist – vielen Dank, meine Liebe! ;-)

  22. Na, dann melde ich mich mal bei der Werbung für „Pro Age“ an, da sieht man auch ältere Po’s und die sogar mit Falten – aber dank „Pro Age“ sind es „schlanke“ Po’s :-) und immerhin ist die Werbung ja sehr positiv „pro“ statt „contra“ – oder??

  23. @katzenelson: danke dir für die geschichte. sie gefällt mir.

    @raeuberbraut: ich weiss nicht von welcher werbung du sprichst. meinst du dove?

    es gibt sogar das magazin „brigitte für die frau über 40″. der inhalt langweilt, aber die bilder sind spannend. sie zeigen ältere frauen und keine 14-jährige auf 30 geschminkt.


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